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Glukosemonitoring ergänzt Blutzuckermessung

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Die kontinuierliche Blutzuckermessung ist zur Zeit eine der spannendsten Entwicklungen in der Diabetes-Therapie, meint Professor Werner Scherbaum vom Deutschen Diabetes-Zentrum in Düsseldorf. Neue Systeme wie der von Abbott Diabetes Care entwickelte FreeStyle Navigator™ messen über fünf Tage jede Minute die Blutzuckerwerte. Solche Systeme sind die Basis für die Entwicklung eines künstlichen Pankreas.

Kontinuierliches Glukosemonitoring bald in der Hand von Patienten

Eine neue Generation von Glukosesensoren ermöglicht es jetzt, daß Patienten solche Geräte selbständig nutzen können. Der Nadelsensor von Abbott hat einen Durchmesser von 0,6 mm, und Patienten können ihn mit einer Applikationshilfe selbst subkutan legen.

Anschließend wird der Datenüberträger (Transmitter) aufgesetzt und der Sensor mit Hilfe des integrierten Freestyle-Blutzuckermeßgeräts automatisch kalibriert. Danach braucht der Sensor zehn Stunden, bis er stabil mißt.

Alarmsignale fordern während der fünftägigen Tragezeit zu weiteren Kalibrierungen auf: nach 10, 12, 24 und 72 Stunden. Gemessen wird am Oberarm oder am Bauch. Die Werte werden mit Radiowellen auf den Empfänger, der am Gürtel getragen werden kann, übertragen. Sie werden dabei auf einem Monitor angezeigt, hieß es auf einem Symposium des Unternehmens Abbott in Leipzig.

Hyper- und Hypoglykämien werden verzögert registriert

"Die Glukosekonzentration wird in der Interstitialflüssigkeit des subkutanen Fettgewebes gemessen und stimmt bei stabiler Stoffwechsellage weitgehend mit der Meßprobe aus der Fingerkuppe überein", erläuterte Scherbaum. Starke Schwankungen würden in der Interstitialflüssigkeit im Vergleich zu den Blutwerten verzögert gemessen. Das könnte bei der Wahrnehmung von Hyper- und Hypoglykämien gelegentlich kritisch werden, so der Diabetologe.

Daß die Werte von kontinuierlicher und herkömmlicher Blutzuckermessung relativ gut übereinstimmen, hat die Home-Use-Studie ergeben. An der Untersuchung haben 42 Diabetiker - davon zwei Drittel mit Typ-1- und ein Drittel mit Typ-2-Diabetes - im Alter von 22 bis 68 Jahren teilgenommen. Die kontinuierlichen Glukosemessung mit dem Gerät wurde dabei über zweimal fünf Tage getestet, und zudem wurden die Blutzuckerwerte mit herkömmlichen Geräten kontrolliert.

Werte sollten zunächst nur retrospektiv betrachtet werden

Vereinzelt seien an den Meßstellen Hautrötungen, Schwellungen und Juckreiz aufgetreten, weniger als zehn Prozent der Anwender hätten sich dadurch jedoch in ihren täglichen Aktivitäten beeinträchtigt gefühlt. Etwa 20 Prozent der Teilnehmer gaben an, daß sie die vielen Informationen überforderten.

Das ist nach Ansicht von Scherbaum ein wichtiges Problem, da die unmittelbare Anzeige von gelegentlich überraschend hohen oder niedrigen Werte die Gefahr eines "Überkorrigierens" berge. "Deshalb sollten Patienten im Umgang mit der kontinuierlichen Glukosemessung geschult und die Werte zunächst nur retrospektiv betrachtet werden", betonte Scherbaum.

Nach Angaben des Diabetologen ist die Nutzbarkeit der Glukosesensoren bisher eingeschränkt. Mit den Meßwerten dürften bisher keine direkten Therapieentscheidungen getroffen werden. Nur Werte herkömmlicher Meßgeräte gelten dafür als präzise genug.

Das kontinuierliche Glukosemonitoring werde deswegen derzeit als Ergänzung der Messung in Kapillarblut gesehen, um zusätzliche Daten über den Blutzuckerverlauf zu gewinnen. Dies wird auch für das aktuelle Glukosemeßsystem mit dem Namen "Navigator™" so sein, dessen FDA-Zulassung das Unternehmen Abbott noch in diesem Jahr erwartet. (ej)

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