Forschung und Praxis, 26.06.2006

Diabetes-Diäten nicht für alte Diabetiker!

Mangelernährung ist bei sehr alten Patienten - auch bei Typ-2-Diabetikern dieser Altersgruppe - ein häufiges Phänomen. Um den Ernährungszustand eines alten Patienten zu beurteilen, reiche es nicht aus, allein den Body-Mass-Index zu errechnen, hat Dr. Andrej Zeyfang in Leipzig betont. Einen guten Überblick über die individuelle Ernährungssituation erhalte man mit Hilfe spezieller Meßskalen. Hier habe sich bei alten Patienten der Mini Nutritional Assessment MNA™ bewährt.

Bei dem MNA handelt es sich um einen Anamnesebogen mit insgesamt 18 Fragen, etwa zu Gewichtsverlust, Body- Mass-Index, Appetit, akuten physischen oder psychischen Erkrankungen, Mobilität, Medikamenteneinnahme sowie Zahl und Zusammensetzung der Mahlzeiten, Trinkmenge und eigenständiger Essensaufnahme.

Für die einzelnen Fragen werden Punkte vergeben; maximal kann ein Gesamt-Index von 30 Punkten erreicht werden. Bei einem Gesamt-Index von 17 bis 23,5 Punkten könnte eine Unterernährung bestehen, bei weniger als 17 Punkten liegt eine Malnutrition vor.

Zwischen 17 und 65 Prozent der über 80jährigen sind mangelernährt. Sie nehmen zu wenig Proteine, essentielle Fettsäuren, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente zu sich, erläuterte Zeyfang, der in der Abteilung für Innere Medizin und Geriatrie am Bethesda Krankenhaus in Stuttgart tätig ist.

Als häufige Ursachen für Mangelernährung bei diesen Patienten nannte er Armut, hauswirtschaftliche Inkompetenz, affektive und kognitive Störungen wie Depression und Demenz, die altersbedingte Abnahme des Geschmacks- und Geruchsinns, verringerter Hunger und Durst, Schluckstörungen bei Patienten nach Schlaganfall, Probleme mit dem Gebiß oder Magen-Darm-Erkrankungen. Und nicht zu vergessen: die Polypharmakotherapie. Hier mache die Menge der täglich einzunehmenden Tabletten bei vielen Patienten "fast schon eine Mahlzeit" aus, so Zeyfang.

Auch bei sehr alten Patienten mit Typ-2-Diabetes ist eine ausgewogene, an den individuellen Kalorienbedarf angepaßte Mischkost nach den Prinzipien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ausreichend und sinnvoll, wie der Geriater betonte. Spezielle Diabetesdiäten werden nicht empfohlen.

Um den Ernährungszustand bei alten Patienten mit Diabetes zu verbessern, sollte ein Ernährungstraining erfolgen, das sich problemlos in die Diabetes-Schulung dieser Patienten einbauen lasse. Wichtig sei, den alten Patienten realistische und einfache Empfehlungen zu geben und sie dazu anzuhalten, auch genügend zu trinken.

Es sollten aber keine zu großen Einschränkungen gemacht werden, denn das Essen soll ihnen (wieder) Spaß machen. Bei der Wahl der Nahrung sollte auch auf mögliche Gebißprobleme Rücksicht genommen werden. So könne etwa Vollkornbrot oft nicht mehr gekaut werden. (mar)

Die deutsche Version des MNA gibt es bei der Dt. Gesellschaft für Ernährungsmedizin: www.dgem.de/ernaehrungsteams Stichwort Downloads.

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