Ärzte Zeitung, 12.10.2006

Rimonabant senkt Gewicht und HbA1c-Wert

Studie mit über 1000 übergewichtigen Typ-2-Diabetikern / HbA1c-Wert nahm im Schnitt um 0,6 Prozentpunkte ab

BÜHL (hbr). Bei übergewichtigen Typ-2-Diabetikern können durch Gewichtsreduktion und 20 mg Rimonabant täglich der HbA1c-Wert gesenkt und das HDL-Cholesterin erhöht werden. Und das liegt nur zum Teil am Gewichtsverlust.

Rimonabant hat bei Adipositas günstige Effekte auf Gewicht und Lipidprofil. Foto: bilderbox

Das belegen Daten der RIO-Diabetes-Studie, die Professor Stephan Jacob von der Universität Tübingen vorgestellt hat. Die Untersuchung ist Teil des vier Studien umfassenden RIO-Programms; daran beteiligten sich bislang über 6600 übergewichtige oder adipöse Patienten mit oder ohne Begleiterkrankungen. An der RIO-Diabetes-Studie nahmen 1045 adipöse und übergewichtige Patienten mit Typ-2-Diabetes teil. Sie erhielten eine Reduktionsdiät. Jeweils ein Drittel von ihnen erhielt zusätzlich einmal täglich 5 mg oder 20 mg Rimonabant oder Placebo.

Wirkstoff dämpft Aktivität des Endocannabinoid-Systems

Rimonabant, vom Unternehmen Sanofi-Aventis als Acomplia® angeboten, wirkt auf das Endocannabinoid-System, das den Energiehaushalt, die Nahrungsaufnahme und den Lipidstoffwechsel beeinflußt. Bei Fettleibigen ist das System offenbar überaktiv, so Professor Beat Lutz von der Universität Mainz. Rimonabant blockiert die Cannabinoid-Typ-1-Rezeptoren, etwa in Gehirn und Fettgewebe, und normalisiert die Aktivität des Endocannabinoid-Systems. In Studien mit übergewichtigen Patienten wurden günstige Effekte auf kardiovaskuläre und metabolische Risikofaktoren wie Gewicht, Bauchumfang, HDL-Cholesterin, Triglyzeride und Insulinresistenz beobachtet.

In RIO-Diabetes waren die Patienten mit einem mittleren HbA1c-Wert von 7,2 bis 7,3 Prozent bereits zu Beginn der Studie recht gut eingestellt. Täglich 20 mg des Wirkstoffs führten nach einem Jahr zu einer weiteren relevanten Abnahme um 0,6 Prozentpunkte. In der Placebogruppe stieg der HbA1c-Wert um 0,1 Prozentpunkte; mit 5 mg Rimonabant nahm er um den gleichen Wert ab. Der Unterschied zu Placebo war in beiden Gruppen signifikant.

Der Effekt war unabhängig davon, ob die Patienten als orales Antidiabetikum Metformin oder einen Sulfonyl-Harnstoff nahmen. Und: Mit Rimonabant erreichten 43 Prozent der Patienten einen HbA1c-Wert von unter 6,5 Prozent - mit Placebo nur halb so viele.

Zudem nahmen die Probanden mit 20 mg des Wirkstoffs durchschnittlich 5,3 kg ab, die Patienten der Placebogruppe nahmen 1,4 kg ab. Dieser Unterschied allein erklärt den niedrigeren HbA1c-Wert jedoch nicht.

Mit Rimonabant sank der HbA1c-Wert am stärksten

Der HbA1c-Wert sank mit Rimonabant deutlich stärker als mit Placebo und der Serumspiegel von HDL-Cholesterins konnte mit Rimonabant im Vergleich zu Placebo signifikant erhöht werden. Insgesamt ist die Hälfte dieser Effekte also nicht auf die Gewichtsreduktion, sondern spezifisch auf Rimonabant zurückzuführen, so Jacob in Bühl.

Rimonabant wird ergänzend zu Diät und Bewegungstherapie verordnet. Indiziert ist es bei adipösen Patienten mit einem Body Mass Index (BMI) ab 30 kg/m² und bei Patienten mit einem BMI über 27 kg/m², die mindestens einen Risikofaktor wie Typ-2-Diabetes oder einer Fettstoffwechselstörung haben.

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