Ärzte Zeitung, 28.08.2006

Erleichterter Einstieg in die Insulin-Therapie

Therapie-Beginn mit Insulin glargin und schnellem Analogon verglichen / Vorteil für langwirksames Analogon

ELTVILLE (hbr). Wenn die orale Therapie nicht mehr ausreicht, brauchen Typ-2-Diabetiker bekanntlich zusätzlich Insulin - ein basales wie Insulin glargin oder ein schnelles Insulin zu den Mahlzeiten. In der APOLLO-Studie hat Insulin glargin den Patienten Vorteile gebracht: Der HbA1c-Wert wurde genauso effektiv gesenkt, aber es gab weniger Hypoglykämien.

Viele Typ-2-Diabetiker kommen irgendwann nicht mehr ohne eine Behandlung mit Blutzucker-senkenden Injektionen aus. Foto: AOK-Mediendienst

Das hat Professor Reinhard Bretzel von der Universität Gießen bei einer Veranstaltung von Sanofi-Aventis in Eltville berichtet. In der internationalen Studie erhielten 412 Diabetiker, die mit Tabletten allein keine gute Stoffwechselkontrolle mehr erreichten, zusätzlich Insulin.

An der Vergleichsstudie haben 412 Patienten teilgenommen

44 Wochen lang injizierten 204 Patienten einmal täglich das 24 Stunden wirksame Insulin glargin (Lantus®). Es baut für etwa 24 Stunden einen recht gleichmäßigen Insulinspiegel auf und verbessert vor allem den Nüchternwert. Die Dosis wird anhand der Nüchternglukose angepaßt. 208 Patienten spritzten dreimal täglich das schnell wirkende Insulin lis-pro zu den Mahlzeiten. Es verringert den Blutzuckeranstieg nach dem Essen. Die Dosis wurde nach den postprandialen Werten bestimmt.

In beiden Gruppen betrug das mittlere Alter 60 Jahre und der Body Mass Index 29 kg/m². Bei den Patienten, die Insulin glargin verwendeten, lag die Nüchternglukose bei 186 mg/dl und der Nachtwert um drei Uhr bei 177 mg/dl, beim Bolusinsulin bei 179 und 177 mg/dl.

In beiden Gruppen verringerte sich der HbA1c-Wert signifikant und sank auf einen ähnlich guten Wert unter sieben Prozent: mit Insulin glargin von 8,7 auf 7 Prozent und mit Insulin lispro von 8,6 auf 6,8 Prozent. Ein statistischer Unterschied zwischen den Gruppen bestand dabei nicht. Mit Insulin glargin war aber gleichzeitig der mittlere Nüchternwert signifikant besser.

Er nahm von 186 auf 112 mg/dl ab, mit dem Bolusinsulin dagegen nur von 179 auf 145 mg/dl. Zwei Drittel der mit Insulin glargin behandelten Patienten hätten sogar den angestrebten Nüchtern-Zielwert unter 100 mg/dl erreicht, so der Diabetologe. Auch der Nachtwert verringerte sich damit signifikant.

Einmal injizieren täglich fällt leichter als dreimal

Für Patienten besonders wichtig ist aber, daß auch das Risiko von asymptomatischen, von symptomatischen und von bestätigten symptomatischen Unterzuckerungen mit Insulin glargin deutlich geringer ausfiel. So kamen Hypoglykämien mit Werten unter 60 mg/dl viermal seltener vor als mit dem Bolusinsulin.

Davon profitierten Therapiezufriedenheit und Lebensqualität, so Bretzel. Die Orientierung am Nüchternwert erfordere zudem weniger Blutzucker-Messungen. Außerdem fällt einmal injizieren pro Tag leichter als dreimal. Das kommt der Compliance zugute.

Infos zu Diabetes: http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »