Ärzte Zeitung, 23.08.2006

Bürger testen beim Einkauf ihr Diabetes-Risiko

Angebot in Leverkusen / Gemeinschaftsaktion von Bayer Vital, Deutschem Diabetiker Bund und der Bayer-BKK

LEVERKUSEN (iss). Wer am heutigen Tag in Leverkusen-Wiesdorf in die Fußgängerzone geht, kann beim Einkaufsbummel auch etwas für seine Gesundheit tun. An einer mobilen Beratungsstelle können sich Passanten über Diabetes und seine Spätfolgen informieren sowie ihr persönliches Krankheitsrisiko ermitteln lassen.

Blutzuckermessung im Diabetesmobil des Deutschen Diabetiker Bundes. Foto: Bayer Vital

Bei der Diabetes-Testaktion können sich Interessierte den Blutzucker messen lassen und einen speziellen Fragebogen ausfüllen. Diesen Diabetes-Risikotest hat das Deutsche Diabetes-Zentrum in Düsseldorf entwickelt.

Lassen der Test und die Messungen auf ein erhöhtes Risiko schließen, werden vor Ort gleich der Blutdruck und der HbA1c-Wert gemessen. Den Betroffenen wird der Arztbesuch empfohlen und ihnen gleichzeitig eine erste Beratung zu den Themen Ernährung und Bewegung angeboten.

Das kostenlose Angebot "Dem Diabetes vorbeugen - Ermitteln Sie Ihr Risiko!" ist eine Gemeinschaftsaktion von Bayer Vital Diabetes Care, des Landesverbands Nordrhein-Westfalen des Deutschen Diabetiker Bundes (DDB) und der Bayer Betriebskrankenkasse. Schirmherr ist der Leverkusener Oberbürgermeister Ernst Küchler.

Heute ist der dritte und letzte Präventions-Termin. An den ersten beiden Tagen kamen bereits 1400 Personen zum Diabetes-check. Das erschreckende Ergebnis: Bei zehn Prozent wurde ein bislang unentdeckter Diabetes festgestellt.

5,7 Millionen Diabetiker in Deutschland werden behandelt

"Jeder sollte sein Diabetes-Risiko kennen und sich hinreichend Informationen besorgen", sagt Dr. Hans-Joachim Rothe, Geschäftsführer der Bayer Vital GmbH. In Deutschland seien bereits 5,7 Millionen Patienten wegen Diabetes in ärztlicher Behandlung, etwa zwei Millionen seien erkrankt, wüßten es aber nicht.

Man dürfe den kontinuierlichen Anstieg bei der Zahl der Typ-II-Diabetiker nicht als gegeben hinnehmen, betont Rothe. Aufklärung und Sensibilisierung für das Diabetes-Risiko seien ein wichtiger Weg aus der "Diabetes-Falle". Man müsse die Menschen davon überzeugen, wie positiv sich die Änderung des Lebensstils in den Bereichen Bewegung und Ernährung auswirken könne.

"Eine halbe Stunde Bewegung täglich senkt das Diabetesrisiko bereits um 36 Prozent", so Rothe. Nach einer finnischen Diabetes-Präventionsstudie gehe das Erkrankungsrisiko bei einer Gewichtabnahme von 4,2 Kilogramm durchschnittlich um 58 Prozent zurück. "Die Strategie ist eigentlich ziemlich einfach."

Wenn die Krankheit rechtzeitig erkannt wird und man sich auf die speziellen Erfordernisse einstellt, sei auch der Umgang mit dem Diabetes kein Problem, berichtet die ehemalige Opernsängerin Evelyn Dalberg, selbst Typ-II-Diabetikerin. "Ich kann wunderbar mit der Krankheit leben."

Natürlich verlange das ein gewisses Maß an Disziplin. Ihre Erfahrung sei allerdings, daß es daran bei vielen Betroffenen hapere. Nachdem bei Dalberg Diabetes diagnostiziert wurde, war sie bei einer Ernährungsberatung. "Dort habe ich erlebt, daß die Leute einfach nicht einsehen wollen, daß sie etwas verändern müssen."

Betroffene machen sich über Folgen oft keine Gedanken

Ein Problem ist ihrer Einschätzung nach, daß Diabetes zunächst nicht mit Schmerzen verbunden ist und die Betroffenen sich über die Folgeerkrankungen oft keine Gedanken machen. Deshalb seien Aufklärungsaktionen wie die in Leverkusen notwendig. "Es ist wahnsinnig wichtig, daß die Menschen merken, was diese Krankheit bedeutet", sagt Dalberg.

Das kann Martin Hadder, der DDB-Landesvorsitzende in Nordrhein-Westfalen, bestätigen. "Nur wenn sich der Diabetiker gut informiert fühlt, ist er auch bereit, in der Therapie entsprechend mitzuarbeiten." Genau so wichtig sei aber auch die rechtzeitige Diagnose. Im Durchschnitt werde der Typ-II-Diabetes erst nach fünf Jahren erkannt, berichtet er. "Häufig liegen dann schon Folgeerkrankungen vor."

Bayer Vital ist im Jahr 2005 mit einer Präventionsaktion im Leverkusener Bayer-Werk bereits auf große Resonanz gestoßen. Insgesamt 1566 Mitarbeiter haben sich dabei untersuchen lassen. Bei 43, die nicht wußten, daß sie Diabetiker sind, wurden erhöhte Blutzuckerwerte festgestellt. Im Unternehmen gibt es nun regelmäßige Beratungen zur Ernährung.

Infos zu Diabetes finden Sie im Internet unter www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de, www.diabetesstiftung.de, www.diabetes-union.de, www.bvnd.de und www.idf.org

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