Ärzte Zeitung, 27.10.2006

Plädoyer für Therapie schon bei Prä-Diabetes

Lebensstil-Änderung hat Priorität / Rosiglitazon mindert die Rate neuer Diabetes-Manifestationen

DRESDEN (hbr). Die antidiabetische Therapie muß schon vor dem Diabetes selbst beginnen, fordert Professor Markolf Hanefeld aus Dresden. Zur medikamentösen Therapie könnten dabei vor allem Glitazone eingesetzt werden. Denn sie bremsen die Insulinresistenz, die sonst die Entwicklung zum Diabetes vorantreibt.

Bei Nüchternglukose-Werten ab 100 mg / dl ist oft schon LDL erhöht. Foto: E. Hinkelbein

Hanefeld hat gute Gründe für seine Forderung nach frühem Eingreifen. So sind zwar Diabetiker durch Gefäßprobleme extrem gefährdet. Aber die kardiovaskulären Folgeschäden beginnen schon lange vor der Diabetes-Manifestation: "Prä-Diabetes und Diabetes bedeuten das gleiche KHK-Risiko", betonte Hanefeld beim internationalen Symposium zum metabolischen Syndrom in Dresden.

Die Korrelation zwischen kardiovaskulärem Tod und Nüchternglukose reicht bis zu Blutzuckerwerten von 100 mg / dl, also in den Bereich des Prä-Diabetes. Dieser besteht bei abnormer Nüchternglukose (IFG; 100 bis 125 mg / dl) oder gestörter Glukosetoleranz (IGT; zwei Stunden-Wert im Glukose-Toleranztest 140 bis 199 mg / dl). Bei IFG und IGT sind die Werte für Blutdruck, Triglyzeride und HDL-Cholesterin oft schon abnorm. Zudem sind bei gestörter Glukosetoleranz meist schon die atherosklerotischen Plaques vermehrt, und die Intima-Media-Dicke ist erhöht.

Das Normalisieren von IGT und IFG sollte also langfristig kardiovaskulären Ereignissen vorbeugen. Rosiglitazon (Avandia®) könnte dabei helfen. Denn die DREAM-Studie (Diabetes Reduction Assessment with Ramipril and Rosiglitazone Medication) belegt, daß Rosiglitazon dem Übergang vom Prä-Diabetes zum Typ-2-Diabetes vorbeugt.

Bei drei Jahren Therapie war die Rate neuer Diabetes-Manifestationen um 62 Prozent geringer als mit Placebo. Metformin und Acarbose verhindern maximal ein Drittel der Erkrankungen. Zudem normalisierte sich bei jedem zweiten Probanden der Blutzucker; mit Placebo nur bei 30 Prozent.

Soll man also bei Prä-Diabetes gleich ein Medikament einsetzen? "Nein, die Lebensstil-Änderung hat weiter Priorität", betonte der Diabetologe bei einem Symposium von GSK. Das heißt: gesunde Ernährung, Gewichtsabnahme und Bewegung. Ohne ständige Motivation schafft das aber kaum einer ein Leben lang.

Von der Glitazon-Therapie könnten deshalb besonders Patienten mit frühem Typ-2-Diabetes oder mit Prä-Diabetes profitieren, die mit Lebensstil-Änderungen oder Mitteln wie Metformin ihr Ziel nicht erreichen, so Hanefeld. Für die Prävention ist Rosiglitazon aber noch nicht zugelassen.

STICHWORT

Prä-Diabetes

EIn Prä-Diabetes liegt vor, wenn bei einem Patienten die Glukosewerte im venösen Plasma nüchtern 100 bis 125 mg / dl betragen (abnorme Nüchternglukose; IFG) oder der Zwei-Stunden-Wert im oralen Glukose-Toleranztest zwischen 140 und 199 mg / l (gestörte Glukosetoleranz; IGT) liegt. Das kardiovaskuläre Risiko ist bereits bei einem Prä-Diabetes erhöht. (hbr)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »