Ärzte Zeitung, 19.10.2006

Glitazon kann Stoffwechsellage normalisieren

Daten von 5300 Personen mit hohem Risiko für Typ-2-Diabetes / Postprandialer Wert sinkt besonders deutlich

DRESDEN (hbr). Das orale Antidiabetikum Rosiglitazon hat für Menschen mit Prädiabetes zwei Vorteile. Das Risiko, einen Typ-2-Diabetes zu bekommen, wird vermindert. Und bei der Hälfte der mit dem Glitazon Behandelten normalisiert sich sogar die Stoffwechsellage.

Patienten mit leicht erhöhten Nüchtern- oder postprandialen Glukosewerten haben bekanntlich ein hohes Risiko, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Im Vergleich zu Placebo mindert das Glitazon um 62 Prozent das Fortschreiten vom Prädiabetes zur manifesten Zuckerkrankheit, hatte kürzlich eine Studie ergeben.

Nun gibt es weitere Erkenntnisse. Weil das Präparat die Insulin-Empfindlichkeit steigert, wird die Stoffwechsellage bei einem Teil der Behandelten normalisiert. So hatten zum Schluß 51 Prozent der Probanden wieder normale postprandiale und Nüchternwerte. Das sind 70 Prozent mehr als in der Placebogruppe. Der Unterschied ist signifikant. Vor allem der postprandiale Wert sank mit Rosiglitazon (Avandia®) deutlich von fast 160 mg/dl auf etwa 125 mg/dl.

Mit Placebo blieb er fast unverändert. Dies hat eine neue Auswertung von Daten der 5269 Teilnehmer der DREAM-Studie (Diabetes Reduction Assessment with Ramipril and Rosiglitazone Medication) belegt. Die neuen Ergebnisse hat Professor Hertzel Gerstein aus Kanada jetzt beim internationalen Symposium zum metabolischen Syndrom in Dresden vorgestellt.

Da mit Troglitazon ein früheres Glitazon wegen Lebertoxizität vom Markt genommen wurde, wurden jetzt in der Studie auch die Serumwerte der Alanin-Aminotransferase überprüft. Das Ergebnis: Mit Rosiglitazon fielen die Werte signifikant niedriger aus als mit Placebo. Das könnte an einer Reduzierung der Fettablagerung in der Leber liegen.

Dafür spricht, daß die mit Rosiglitazon Behandelten zwar pro Jahr um 700 Gramm mehr zunahmen. Aber nur im Hüftbereich. Und das ist, im Gegensatz zu viszeralem Fett, "gutes Fett", so Gerstein bei einem GSK-Symposium: Es liefert Adiponektin, das die Insulinresistenz senkt.

Ein weiterer Vorteil: Mit Rosiglitazon sank auch der Blutdruck. Er ging systolisch um 6,5 mmHg und diastolisch um 4,9 mmHg zurück, mit Placebo aber nur um 5,2 und 3,7 mmHg.

STICHWORT

DREAM-Studie

In der Studie DREAM (Diabetes Reduction Assessment with Ramipril and Rosiglitazon) ist bei über 5000 Behandelten überprüft worden: Wird bei Menschen mit erhöhten Nüchternblutzuckerwerten oder gestörter Glukosetoleranz durch medikamentöse Therapie die Entwicklung eines Diabetes gebremst? Die Studienteilnehmer erhielten 15 mg Ramipril und oder 8 mg Rosiglitazon täglich.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zahl der Behandlungsfehler stagniert

"Fehler passieren, auch in der Medizin. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten durch einen Behandlungsfehler zu Schaden kommen, ist extrem gering." So lautete das Fazit von Dr. Andreas Crusius bei der Vorstellung der Behandlungsfehlerstatistik. mehr »

Naturvolk mit erstaunlich gesunden Gefäßen

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »