Ärzte Zeitung, 20.11.2006

90-Minuten-Schulung motiviert Diabetiker zu mehr Bewegung

Veränderungen von Puls und Blutzucker durch Sport werden demonstriert

MÜNCHEN (hbr). Eine einzige, 90 Minuten umfassende Zusatzschulung motiviert Typ-2-Diabetiker dauerhaft, sich mehr zu bewegen. Dadurch können sie innerhalb eines Jahres ihre körperliche Leistungsfähigkeit signifikant verbessern.

Blutzucker wird gemessen. Bereits ein halbstündiger Spaziergang hat einen merklichen Effekt auf den Blutzucker sowie auf den Puls. Foto: AOK-Mediendienst

Und die Patienten nehmen an Gewicht ab, so Dr. Monika Siegrist von der TU München. Sie stellte die Ergebnisse der DiSko-Evaluation ("wie DIabetiker zum Sport KOmmen") beim Münchner Workshop Sportmedizin und Diabetologie vor.

DiSko ist ein Schulungsmodul, das in bestehende Diabetiker-Schulungen integriert werden kann. Urheber sind die Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Sport der Deutschen Diabetes-Gesellschaft und der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe. Die Patienten sollen dabei die Effekte körperlicher Aktivität vor allem direkt erleben, damit sie langfristig motiviert sind. Denn bei vielen versandet der gute Wille zu mehr Bewegung, während sie über die praktische Umsetzung nachgrübeln.

"In DiSko können sie probieren, ihre Vorsätze umzusetzen. Damit ist die erste Hürde bewältigt", sagt Siegrist. Außer Wissensvermittlung und Tips für Alltagsaktivitäten besteht das DiSko-Kernstück deshalb aus einem halbstündigen Spaziergang. Er beeinflußt merklich Puls und Blutzucker, und beides wird vorher und nachher gemessen. Das sorgt für Aha-Effekte.

Unterstützt wird das Projekt von dem Unternehmen LifeScan, das Blutzucker-Meßgeräte der Marke OneTouch® Ultra® herstellt. An der Studie nahmen 92 nicht insulinpflichtige Typ-2-Diabetiker teil. Im Sechs-Minuten-Gehtest, bei dem eine Strecke von 500 bis 600 Metern zu erwarten gewesen wäre, erreichten sie zu Beginn im Mittel nur 458 Meter.

Die Teilnehmer erhielten nur eine normale Schulung oder zusätzlich die 90minütige DiSko-Schulung. Die Ergebnisse belegen: Das Prinzip funktioniert gut. So erhöhten die Teilnehmer der Kontrollgruppe ihre körperlichen Aktivitäten zwar in einem Jahr von sechs auf acht Stunden pro Woche und den Energieverbrauch entsprechend um 925 kcal.

Aber im Gehtest steigerten sie sich nur um sechs Meter. Die DiSko-Patienten dagegen bewegten sich jetzt zehn statt sechs Stunden pro Woche und verbrauchten 1394 kcal mehr. Sie hatten vor allem Aktivitäten wie Radfahren und Schwimmen gesteigert. Sie nahmen 1,5 kg ab und verbesserten ihre Gehleistung um 50 Meter - alles signifikante Resultate.

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