Ärzte Zeitung, 26.01.2007

Glitazon schützt Herz und Hirn von Typ-2-Diabetikern

Reinfarktrate mit Pioglitazon um 28 Prozent reduziert / Rate für erneuten Schlaganfall fast halbiert / Studie mit über 5000 Typ-2-Diabetikern

BERLIN (ku). Typ-2-Diabetiker haben ein massiv erhöhtes Risiko, an kardiovaskulären Erkrankungen zu sterben. Der Insulinsensitizer Pioglitazon senkt das Infarkt- und Schlaganfallrisiko. Das gilt zumindest für Hochrisikopatienten, die bereits ein solches Ereignis erlitten haben.

"Auf einer Infarktstation sind nur 34 Prozent der Patienten zuckergesund", sagte Professor Diethelm Tschöpe vom Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen. Das verdeutliche die Bedeutung eines Diabetes für das Herz-Kreislaufsystem. Eine Diabetes-Therapie mit Glitazonen habe Vorteile: Die Arzneimittel senken den HbA1cWert, was in vielen Studien belegt ist.

Und die PROactive-Studie* hat ergeben, dass Pioglitazon (actos®) auch das kardiovaskuläre Risiko von Typ-2-Diabetikern senkt. Das Ergebnis beim primären kombinierten Endpunkt (Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall, periphere Eingriffe zur Revaskularisation) war allerdings statistisch nicht signifikant, so Tschöpe bei einer Pressekonferenz von Takeda Pharma.

Statistisch signifkant waren allerdings einige Ergebnisse in Subgruppen: Von den 2445 Patienten der PROactive-Studie mit Myokardinfarkt in der Anamnese war die Reinfarktrate mit Pioglitazon 28 Prozent niedriger als mit Placebo. Die Rate akuter Koronarsyndrome lag um 37 Prozent niedriger, hat Professor Werner Georg Haberbosch vom Zentralklinikum Suhl berichtet.

Das bedeute, dass in der Pioglitazongruppe im Verlauf von drei Jahren bei 1000 Patienten 22 Reinfarkte und 23 akute Koronarsyndrome verhindert werden konnten. Das entspreche dem Effekt von Statinen, so Haberbosch. Noch ausgeprägter war der Effekt bei den 984 Patienten mit Schlaganfall in der Anamnese: Um 47 Prozent war die Rate der Schlaganfälle in der Pioglitazongruppe niedriger als in der Placebogruppe.

Insgesamt hatten an der prospektiven placebokontrollierten Doppelblindstudie PROactive 5238 Patienten mit Typ-2-Diabetes und makrovaskulärer Erkrankung teilgenommen. Die Patienten wurden mit bis zu 45 mg Pioglitazon pro Tag behandelt. Der durchschnittliche Beobachtungszeitraum war 2,85 Jahre.

*PROactive steht für PROspective pioglitAzone Clinical Trial In macroVascular Events

STICHWORT

Zulassungserweiterung für Pioglitazon

Das Präparat actos® ist inzwischen auch für die Tripeltherapie in Kombination mit Metformin und Sulfonylharnstoff zugelassen - und zwar bei Typ-2-Diabetikern, die mit Metformin und Sulfonylharnstoff die Zielwerte für den Blutzucker nicht erreichen. Außerdem ist seit kurzem die fixe Kombination von Pioglitazon mit Metformin unter dem Handelsnamen competact® auf dem Markt. Der Preis des Kombipräparats ist nicht höher als der für Pioglitazon allein. (ku)

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