Ärzte Zeitung, 08.03.2007

Urintest zeigt Erfolg einer Blutdrucktherapie an

"Sind Ihre Nieren ok?" Unter diesem Motto steht der heutige Weltnierentag in mehr als 50 Ländern. Internationale Fachgesellschaften machen aus diesem Anlass darauf aufmerksam, wie wichtig es ist, Blutdruck und Blutzucker gut einzustellen sowie regelmäßig auf Eiweiß im Urin zu testen.

Bereits für den Gesundheits-Check ab dem 35. Lebensjahr empfiehlt Professor Jan Galle aus Lüdenscheid speziell den Test auf Mikroalbuminurie. Damit lassen sich schon 20 mg Albumin pro Liter Harn nachweisen. Zwar müssen die Patienten ihn im Gegensatz zum üblichen Streifentest selbst zahlen, sofern kein Verdacht auf eine Nierenerkrankung besteht. Aber neue Daten untermauern immer sicherer den Stellenwert des Mikrotests für die Prävention, so Galle im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

So haben schon 30- bis 40-Jährige mit Mikroalbuminurie ein erhöhtes Risiko, etwa fünf Jahre später an hohem Blutdruck zu erkranken. Also scheinen die Albuminspuren im Urin nicht bloß die Folge eines Gefäßschadens durch Hypertonie oder Diabetes zu sein. Sondern sie sind offenbar auch ein Vor-Zeichen solcher Erkrankungen. "Eine spannende Diskussion: Was ist Henne, was ist Ei?", sagte Galle.

Weiterhin haben große Studien erstmals ergeben, dass Blutdrucksenkung mit ACE-Hemmern den Eiweißverlust und damit das Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt und Nierenerkrankungen verringert. Galle: "Damit schließt sich eine Kette aus Ursache und Wirkung." Das habe praktische Bedeutung: Kollegen, die Patienten mit hohem Blutdruck und Eiweißverlust behandeln, sollten nach einem Jahr erneut Albumin bestimmen. Wird vermehrt Eiweiß ausgeschieden, ist das ein Fingerzeig dafür, die Hypertonie intensiver anzugehen, zum Beispiel mit einer Kombination von ACE-Hemmer und Sartan. So lässt sich der Eiweißverlust auch als Verlaufsparameter nutzen. (ars)

Weitere Infos gibt es unter www.nierengesellschaft.de sowie unter www.worldkidneyday.org

Lesen Sie dazu auch den Gastkommentar:
Der Weltnierentag soll den Blick dafür schärfen, wie sehr Nephropathien immer noch unterschätzt werden

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