Ärzte Zeitung, 25.04.2007

Auch junge Kinder profitieren von Insulinpumpe

Diabetische Ketoazidosen lassen sich komplett vermeiden / Rate schwerer Hypoglykämien deutlich niedriger

HAMBURG (hbr). Auch Kinder mit Typ-1-Diabetes, die jünger als sechs Jahre sind, profitieren von einer Insulinpumpe: Die Rate schwerer Unterzuckerungen geht deutlich zurück, ohne dass dafür eine Verschlechterung des HbA1c-Wertes in Kauf genommen werden muss.

Eine Insulinpumpe garantiert Kindern mit Typ-1-Diabetes eine individuelle Feindosierung des Medikamentes. Foto: LifeScan

Danach könnte die Insulinpumpe, die jetzt schon jedes vierte Diabeteskind unter sechs Jahren benutzt, für diese Altersgruppe künftig die Therapie der Wahl werden. Denn das Alter ist ein Risikofaktor für Unterzuckerungen. Und schwere Hypoglykämien mit Krampfanfällen stehen im Verdacht, das Gehirn der Kinder dauerhaft zu schädigen.

Aber gerade bei jungen Kindern sind gute Glukosewerte ohne Entgleisungen mit herkömmlichen Spritzen schwer erreichbar: Die Kinder brauchen oft sehr wenig Insulin, haben eine hohe Insulinempfindlichkeit und einen in diesem Alter kaum kalkulierbaren Appetit und Bewegungsdrang. Die Pumpe erlaubt eine stündlich programmierbare und wesentlich exaktere Feindosierung des Insulins.

Das berichten Dr. Bettina Heidtmann vom katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelmstift in Hamburg und ihre Kollegen (Diabetologie 1/2007, 33). Die Diabetologen werteten Daten von 315 Kindern aus, die vor ihrem sechsten Geburtstag eine Insulinpumpe erhielten. Das mittlere Startalter betrug 3,6 Jahre. Die Informationen lieferte eine deutsch-österreichische Datenbank. Verglichen wurden die Rate schwerer Unterzuckerungen mit Krampfanfall, Koma oder Bewusstlosigkeit, der HbA1c und die Rate diabetischer Ketoazidosen ein Jahr vor der Pumpentherapie und ein Jahr nach dem Beginn.

Der HbA1c-Wert änderte sich kaum. Er war schon vorher mit 7,4 Prozent recht gut und landete nach zwölf Monaten bei 7,3 Prozent. Anders dagegen die übrigen Werte: Diabetische Ketoazidosen, die früher etwa siebenmal pro 100 Patientenjahre auftraten, wurden bei Pumpentherapie gar nicht registriert.

Auch die Rate schwerer Hypoglykämien ging deutlich zurück. Sie verringerte sich in sechs Monaten signifikant von 7,2 auf 1,6 pro 100 Patientenjahre und in einem Jahr auf 2,8 pro 100 Patientenjahre. Der zweite Unterschied ist zwar nicht mehr signifikant, aber klinisch eindeutig relevant. Die Pumpentherapie brachte den Kindern also mehr Sicherheit bei guter Stoffwechselkontrolle.

STICHWORT

Insulinpumpen

Insulinpumpen sind kleine Infusionsgeräte. Sie werden am Körper getragen und geben über einen Katheter und eine unter der Haut liegende Nadel kontinuierlich Insulin ab. Das Gerät kann so programmiert werden, dass es im Verlauf des Tages die jeweils individuell nötige Insulinmenge absondert. Zu dieser Basalrate lässt sich per Knopfdruck eine zusätzliche Insulinmenge hinzugeben, etwa zu den Mahlzeiten oder bei der Gefahr von Stoffwechselentgleisungen. Der Katheter wird meist zwei bis drei Tage getragen, dann wird ein neuer angelegt. (eb)

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