Ärzte Zeitung, 22.05.2007

Mit Rosiglitazon schreitet Diabetes langsamer fort

Glitazon verzögert den Anstieg des HbA1c-Wertes / Insulinresistenz wird vermindert / Behandlung bremst Funktionsverlust der Betazellen

HAMBURG (hbr). Eine orale Monotherapie hilft Typ-2-Diabetikern meist nur vorübergehend: Irgendwann muss die Medikation erweitert werden. Mit dem Insulinsensitizer Rosiglitazon ist dieses Risiko des Monotherapie-Versagens signifikant und auch klinisch bedeutend niedriger als bei anderen oralen Antidiabetika.

Den Daten der ADOPT*-Studie zufolge verzögert Rosiglitazon die Diabetesprogression. An der internationalen Untersuchung beteiligten sich 4360 Typ-2-Diabetiker ohne vorherige medikamentöse Diabetesbehandlung. Die Patienten waren übergewichtig und im Mittel 56 bis 58 Jahre alt. Jeweils ein Drittel wurde mit Rosiglitazon, Metformin oder dem Sulfonylharnstoff Glibenclamid behandelt, wie Professor Stephan Matthaei vom Christlichen Krankenhaus Quakenbrück berichtet hat.

Bis zu 8 mg Rosiglitazon (Avandia®), 2000 mg Metformin oder 15 mg des Sulfonylharnstoffs pro Tag waren erlaubt. Die Zeit bis zum Versagen der Monotherapie war der primäre Endpunkt der Studie. Dabei galt ein mehrfaches Ansteigen des Nüchtern-Blutzuckers über 180 mg/dl als Versagen.

Diesen Punkt erreichten in fünf Jahren ein Drittel der mit Glibenclamid behandelten Patienten und ein Fünftel der Teilnehmer mit Metformin-Therapie - aber nur jeder siebte Proband, der Rosiglitazon einnahm. Dem entspricht das Tempo des HbA1c-Anstiegs: mit dem Glitazon jährlich 0,07, mit Metformin 0,14 und mit Glibenclamid 0,24 Prozent. Insgesamt war das Risiko, dass ein einzelner Wirkstoff nicht mehr genügt, mit dem Glitazon um 32 Prozent niedriger als mit dem Biguanid. Im Vergleich zu Glibenclamid betrug der Vorteil sogar 63 Prozent.

Zudem sieht es so aus, als ob das Glitazon den Verlust der Betazell-Funktion bei Typ-2-Diabetikern verlangsamen kann. Er betrage bei Typ-2-Diabetikern jährlich etwa vier Prozent, so Matthaei bei einer Veranstaltung von GlaxoSmithKline zum Diabetes-Kongress in Hamburg. Die in der ADOPT-Studie verwendeten Medikamente hatten in dieser Hinsicht ein sehr unterschiedliches Potenzial. So betrug der Funktionsverlust bei einer Sulfonylharnstoff-Therapie pro Jahr 6,1 Prozent, mit Metformin 3,1 Prozent. Mit Rosiglitazon beschränkte sich im Gegensatz dazu die Abnahme auf zwei Prozent. Damit würde das Präparat an beiden Grundproblemen des Typ-2-Diabetes ansetzen: an der Insulinresistenz und dem Funktionsverlust der Betazellen.


*ADOPT: A Diabetes Outcome Progression Trial

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