Ärzte Zeitung, 20.06.2007

Weniger Hypoglykämien mit langwirksamem Analog-Insulin

Umstellung auf Insulin wird empfohlen, wenn trotz Therapie mit oralen Antidiabetika der HbA1cdrei Monate lang über sieben Prozent liegt

PERUGIA (hbr). Wenn Typ-2-Diabetiker Insulin brauchen, können sie vom Einsatz langwirksamer Insulinanaloga anstelle des herkömmlichen NPH-Basalinsulins profitieren. Unterzuckerungen sind seltener und eine Gewichtszunahme ist vermeidbar, sagt der Diabetologe Professor John Gerich aus den USA.

Wer sich Insulin spritzt, der hat nicht zwangsläufig eine Gewichtzunahme zu befürchten. Foto: Sanofi-Aventis

Die meisten Typ-2-Diabetiker brauchen irgendwann Insulin, um eine gute Stoffwechsel-Einstellung zu erreichen, sagte der Diabetes-Experte von der Universität Rochester im US-Staat New York. Erster Schritt ist dann ein Basalinsulin: "Der beste Weg zur Blutzucker-Kontrolle ist, zuerst den Nüchternwert in den Griff zu bekommen". Die gemeinsame europäisch-amerikanische Leitlinie empfiehlt dafür die frühe Gabe von Insulin, wenn der HbA1c mit einem oralen Antidiabetikum drei Monate lang über sieben Prozent bleibt.

Dabei fällt die Einstellung auf eine basale Versorgung mit Insulin glargin (Lantus®) besonders leicht. Denn wegen der langen Wirkdauer von etwa 24 Stunden genügt eine Injektion am Tag, so Gerich beim Hypoglykämie-Symposium in Perugia. Er beginnt mit einer niedrigen Startdosis, zum Beispiel 10 IE am Abend (einige Diabetologen empfehlen zu Beginn noch niedrigere Mengen). Der Patient wird angewiesen, alle zwei Tage 2 IE mehr zu injizieren, bis der Nüchternblutzucker im Zielbereich liegt. "Das kann er selbst machen", sagte Gerich bei der von Sanofi-Aventis unterstützten Veranstaltung zur "Ärzte Zeitung". "Es ist sicher und einfach."

Ein Gewichtsanstieg unter Insulin sei nicht zwangsläufig zu erwarten, betonte er. So haben die Patienten einer Studie ihren HbA1c von neun auf sieben Prozent gesenkt - ohne zuzunehmen. Nach Gerichs Angaben nehmen Patienten häufig an Gewicht zu, weil sie bei Verdacht auf eine Unterzuckerung zu viel essen: Sie haben nur eine leichte Hypoglykämie, behandeln sie aber wie eine schwere.

Eine verringerte Hypoglykämierate, wie sie von langwirksamen Insulinanaloga bekannt ist, kann also Kalorien sparen. "Mit Insulin glargin etwa treten viel weniger Hypoglykämien auf als mit NPH-Insulin", betont der Diabetologe. Denn der flache Wirkverlauf des Analoginsulins ist besser vorhersagbar als der Verlauf bei NPH-Insulin, das einen Wirkungs-Peak aufweist. Besonders nachts könne der Peak zu Unterzuckerungen führen. Mit dem Analogon dagegen verringerten sich die nächtlichen Hypoglykämien in mehreren Studien um etwa ein Drittel, so Gerich. Am günstigsten für Unterzuckerungsrate und HbA1c-Senkung ist dabei die Injektion am Morgen.

Außerdem: Wenn die Patienten keine Hypoglykämien befürchten, ist die Compliance besser und niedrigere HbA1c-Werte sind erreichbar. Das lässt langfristig weniger Diabetes-Komplikationen und dadurch Einsparungen erwarten, sagte Gerich.

STICHWORT

Hypoglykämie

Blutzuckerwerte unter 40 mg/dl sind Hypoglykämien, unabhängig davon, ob dabei Symptome auftreten oder nicht. Blutzuckerwerte zwischen 40 und 50 mg/dl werden dann als Unterzuckerung bezeichnet, wenn gleichzeitig zerebrale Symptome der Unterzuckerung nachweisbar sind. Eine Grauzone liegt bei niedrig-normalen Blutzuckerwerten (50 bis 60 mg/dl). Diese Werte werden auch von gesunden Menschen gelegentlich erreicht. Sie werden zum Beispiel bei länger als 24 Stunden andauerndem Fasten regelmäßig gemessen. (eb)

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