Ärzte Zeitung, 17.07.2007

Mit Glitazon weniger Reinfarkte bei Diabetikern

Reinfarktrate mit Pioglitazon im Vergleich zu Placebo 37 Prozent geringer / Studie mit 2400 Typ-2-Diabetikern

KÖLN (ner). Typ-2-Diabetiker, die schon einen Herzinfarkt hatten, bekommen weniger Reinfarkte oder andere schwere kardiovaskuläre Erkrankungen, wenn sie den Insulinsensitizer Pioglitazon einnehmen. Außerdem wird die diabetische Dyslipidämie günstig beeinflusst.

Herzinfarkt: Jetzt muss es schnell gehen. Eine Therapie mit gutem Gefäß-Effekt kann Diabetiker, die schon einen Infarkt hatten, vor Reinfarkt schützen. Foto: AOK

Um 28 Prozent ist die Rate für einen tödlichen oder nicht-tödlichen Re-infarkt vermindert, wenn Pioglitazon (Actos®) zusätzlich zur üblichen Blutzucker-senkenden und kardiovaskulären Medikation eingenommen wird. Das berichtet Professor Erland Erdmann aus Köln (JACC 49, 2007, 1772).

In der Placebo-Gruppe mit etwa 1200 Diabetikern hatten 7,2 Prozent der Teilnehmer innerhalb von knapp drei Jahren einen erneuten Herzinfarkt. In der Gruppe mit dem Glitazon - ebenfalls mit 1200 Patienten - waren es mit 5,3 Prozent signifikant weniger. Das ergab eine Subgruppenanalyse von PROactive*.

Auch die Rate für ein akutes Koronarsyndrom war mit dem Glitazon signifikant um 37 Prozent vermindert: 54 Patienten in der Placebogruppe und 35 Patienten in der Verumgruppe erlitten im Studienzeitraum ein solches Ereignis. Werden 1000 Patienten mit dem Insulinsensitizer drei Jahre lang behandelt, verhindert man rein rechnerisch also 22 Reinfarkte und 23 akute Koronarsyndrome.

Die Subgruppenanalyse bestätigte den günstigen Einfluss von Pioglitazon auf die diabetische Dyslipidämie, wie er auch in der Gesamtstudie mit mehr als 5200 Diabetikern beobachtet worden war. Dieser Effekt scheint wesentlich für die kardioprotektive Wirkung des Medikamentes zu sein. Die Triglycerid-Spiegel gingen um 11 Prozent zurück, das HDL-Cholesterin stieg um knapp 19 Prozent. Auch der LDL/HDL-Quotient verringerte sich um 9 Prozent.

Mit der prospektiven PROactive-Studie war vor zwei Jahren erstmals nachgewiesen worden, dass man mit einem blutzuckersenkenden Medikament makrovaskuläre Ereignisse verhindern kann.

*PROactive - Prospective Pioglitazone Clinical Trial in Macrovascular Events

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zahl der Behandlungsfehler stagniert

"Fehler passieren, auch in der Medizin. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten durch einen Behandlungsfehler zu Schaden kommen, ist extrem gering." So lautete das Fazit von Dr. Andreas Crusius bei der Vorstellung der Behandlungsfehlerstatistik. mehr »

Naturvolk mit erstaunlich gesunden Gefäßen

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »