Ärzte Zeitung, 06.11.2007

Zu wenig Diabetiker kennen HbA1c-Wert

Bei 40 Prozent der Typ-2-Diabetiker liegt HbA1c-Wert über 7 Prozent / Plädoyer für mehr Aufklärung und Schulung

BAYREUTH (hbr). Noch immer wissen viele Diabetiker zu wenig über ihre Krankheit. So ist die Bedeutung des HbA1c-Wertes vielen noch immer unbekannt. Die Diabetologin Dr. Eva-Maria Fach aus Rosenheim plädiert daher für eine verstärkte Aufklärung.

 Zu wenig Diabetiker kennen HbA1c-Wert

Wie hoch ist der Blutzucker? Ihre BZ-Werte kennen viele Typ-2-Diabetiker, doch jeder dritte kennt seinen zuletzt gemessenen HbA1c-Wert nicht.

Foto: Elke Hinkelbein

"Vielen Diabetikern ist nicht klar, dass der HbA1c-Wert die Langzeit-Einstellung des Blutzuckers widerspiegelt und der Wert unter sieben Prozent liegen sollte", sagte die Vorsitzende des Bundesverbands niedergelassener Diabetologen. Bei 40 Prozent der Diabetiker seien die Werte mit über sieben Prozent zu hoch und bei 14 Prozent lägen sie so sogar über acht Prozent. "Das ist nicht akzeptabel", sagte Fach: Jeder dritte Diabetiker kenne seinen zuletzt gemessenen HbA1c-Wert nicht einmal.

Über diesen Langzeitwert der Diabeteseinstellung sollten alle Patienten eigentlich Bescheid wissen. Ermittelt werden sollte der HbA1c einmal im Quartal, so Fach bei der Diabetes-Aufklärungsaktion "Gesünder unter 7" in Bayreuth. Das geschehe seit dem Start der Disease Management-Programme inzwischen bei 70 Prozent der Diabetiker. Stoffwechsel und auch Blutdruck hätten sich im Rahmen von DMP bei vielen Patienten auf günstigem Niveau stabilisiert.

80 bis 90 Prozent der Diabetiker werden von Hausärzten betreut. Bei Problemen sollten die Patienten aber zu einem Diabetologen oder einem anderen Facharzt überwiesen werden. Hier gebe es gelegentlich noch Probleme: "Wenn zwei Quartale hintereinander der HbA1c-Wert über 7,5 Prozent liegt und der Blutdruck über 140/90 mmHg, sei eine Überweisung einfach zu spät", sagte Fach bei der Veranstaltung des Unternehmens Sanofi-Aventis.

Nach den Leitlinien der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) sollte bei Typ-2-Diabetikern der HbA1c idealerweise unter 6,5 Prozent liegen (bei individueller Ziel-Anpassung). Erreicht der Wert sieben Prozent, sollten Ärzte nach den DDG-Empfehlungen intervenieren. Die Patienten können davon stark profitieren. So wurde in der UKPDS×-Studie der HbA1c von 7,9 auf 7 Prozent gesenkt. Dadurch reduzierte sich die Rate der Herzinfarkte um 14 Prozent und die Rate der mikrovaskulären Schäden um ein Drittel. Der Blutzucker sollte nüchtern und vor dem Essen unter 120 mg/dl liegen und postprandial möglichst unter 140 mg/dl bleiben.

Fach plädiert zudem dafür, die Diabetesschulung für Patienten alle zwei bis drei Jahre zu wiederholen. Das wäre ökonomisch. Denn einer Studie zufolge steigen die Versorgungskosten zwei Jahre nach der Schulung wieder an. Neue Schulungen würden aber oft nur bei Therapiewechsel genehmigt, so Fach.

Besonders wichtig sei auch der regelmäßige Test auf Mikroalbuminurie. Das Ergebnis sollte unter 30 mg/l liegen. Nierenschäden lassen sich damit früh erfassen; positive Werte markieren zugleich ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko. Aus den DMP-Programmen für Typ-2-Patienten sei dieser einfache Test aber bislang ausgegrenzt.

Mehr Informationen zu der Aktion unter www.gesuender-unter-7.de

×United Kingdom Prospective Diabetes Study

Info-Kampagne Gesünder unter 7

Die bundesweite Diabetes-Aufklärungsaktion "Gesünder unter 7" wird 2008 fortgeführt. Mit den Informationsständen in Einkaufzentren großer Städte sind seit 2005 etwa 200 000 Menschen erreicht worden. Auf den Aktions-Ständen informieren Ärzte und Diabetesberater Besucher über Diabetes. Risikofaktoren wie Bauchumfang, Blutzucker und Blutdruck werden bei interessierten Passanten bestimmt. Die Aktion wird von Sanofi-Aventis getragen. Die "Ärzte Zeitung" ist Medienpartner. (hbr)

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