Ärzte Zeitung, 20.11.2007

Blutzuckerwerte übers Handy zum Arzt

Diabetiker können eine elektronische Patientenakte standortunabhängig führen / Mehrere Anbieter am Markt

DÜSSELDORF (nsi/ger). Für Diabetiker, die trotz häufiger Blutzuckermessungen mobil bleiben möchten, gibt es jetzt integrierte Systeme. Dabei werden die Werte vom Messgerät automatisch in eine elektronische Patientenakte übertragen.

Kann viel und ist einfach zu bedienen: Das Blutzuckermessgerät überträgt die Daten aufs Mobiltelefon.

Foto: sbra

Die Patientenakte kann über das Handy geführt werden - und zusätzlich im Internet. Ärzte können für jeden Patienten individuelle Schwellenwerte für die Blutzuckerkonzentrationen bestimmen. Wird ein kritischer Wert erreicht, erhält der Arzt automatisch eine Nachricht und kann sich mit den Patienten in Verbindung setzen.

So weit die Theorie. Bei der Medica zeigten gleich mehrere Anbieter derartige Lösungen für Diabetiker. Das Unternehmen Bodytel etwa nimmt für sich in Anspruch, die "erste geschlossene Telemedizinlösung für Blutzucker-Monitoring und Diabetes-Selbstmanagement" entwickelt zu haben. Die Lösung wurde in Düsseldorf vorgestellt.

Das vom Unternehmen entwickelte Messgerät übermittelt die Blutzuckerwerte vollautomatisch auf ein Handy, das die Werte - ebenfalls ohne Zutun des Patienten - ins Internet in eine Gesundheitsakte überträgt. Weitere Werte, zum Beispiel gespritzte Insulinmenge, Broteinheiten, sportliche Aktivitäten und ähnliches können über das Handy eingegeben und dann ebenfalls in die Akte übertragen werden.

Voraussetzung ist ein javafähiges Handy. Nach Worten von Stefan Schraps von Bodytel soll sich das System über den Verkauf von Blutzuckerteststreifen und Messgeräten finanziell tragen. Patienten müssten keine Zusatzkosten übernehmen.

Ein anderes System hat das Unternehmen Heidelberger Medical Marketing (HMM) entwickelt - zusammen mit dem Softwarehersteller GEDIM AG in Bochum, der das Diabetestagebuch programmiert hat. Das Messgerät (smartLABglobal) kann per Klettverschluss direkt am Handy befestigt werden. Nach Angaben der beiden Unternehmen ist die Zuverlässigkeit der Datenübermittlung sicher gestellt, der Arzt wird im Notfall informiert.

Die Patientenakte im Internet lässt sich beliebig erweitern um Messungen von Insulin-, Laktat- und Gerinnungswerten oder Blutdruckwerten. Änderungen etwa im Tagesverlauf sind grafisch darstellbar, die Werte können mit Normalwerten verglichen werden. Das Blutzuckermessgerät gibt es für 79 Euro, das Führen der elektronischen Patientenakte kostet fünf Euro pro Monat bei einem Zweijahresvertrag. Viele Krankenkassen hätten signalisiert, sie seien bereit, die Kosten zu übernehmen, hieß es in Düsseldorf.

Mehr Informationen im Internet: Heidelberger Medical Marketing (HMM): www.hmm.info, www.gedim.de Bodytel: www.bodytel.com (bisher nur in englischer Sprache)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »