Ärzte Zeitung, 09.07.2008

Diabetiker-Herzen werden oft schwach

Wahrscheinlichkeit für Herzinsuffizienz steigt mit HbA1c-Wert / Herz-Patienten haben oft unerkannten Diabetes

MÜNCHEN (sir). Diabetiker haben zweieinhalb- bis fünfmal häufiger als Nichtdiabetiker eine Herzinsuffizienz; die Wahrscheinlichkeit steigt sogar mit dem HbA1c. Ausschließen lässt sich die Herzinsuffizienz mittels Bestimmung des diuretischen Peptids BNP.

Regelmäßige Kontrollen des Blutzuckers geben auch Hinweise auf das Herzinsuffizienz-Risiko.

Foto: evgenyb@fotolia.de

Nicht nur die koronare Herzkrankheit (KHK) kommt bei Diabetikern häufiger vor als bei Stoffwechselgesunden, sondern auch die Herzinsuffizienz. So hat die Framingham-Studie für Männer mit Diabetes ein fast zweieinhalbfach erhöhtes und für Diabetikerinnen ein gut fünffach erhöhtes Risiko gezeigt, eine Herzinsuffizienz zu bekommen.

Diese kann bekanntlich Folge einer KHK oder eines Myokardinfarkts sein, muss es aber nicht. "Bei einer systolischen Herzinsuffizienz ist die Kontraktion des Herzmuskels beeinträchtigt", sagte Professor Nikolaus Marx vom Universitäts-Klinikum Ulm.

"Ursache können außer einer KHK auch eine dilatative Kardiomyopathie, eine Myokarditis, Klappenvitien oder das Spätstadium einer hypertensiven Herzerkrankung sein." Eine diastolische Herzinsuffizienz dagegen, bei der die Ventrikelfüllung in der Diastole gestört ist, könne auch durch Hypertrophie, Konstriktion oder Restriktion entstehen.

Diabetiker haben hier schlechte Karten: "Bei ihnen findet man oft eine diastolische Dysfunktion auch ohne Hypertonie oder Wandverdickung", so Marx. "Ebenso sind Kontraktilität und Relaxation häufig per se gestört; dazu kommt eine kardiale autonome Neuropathie."

Diagnose und Therapie von Diabetikern und Nichtdiabetikern mit Herzinsuffizienz unterscheiden sich aber nicht wesentlich. "Zu den ersten Diagnoseschritten gehört außer Anamnese, körperlicher Untersuchung, Echokardiografie, EKG und Röntgen auch die Bestimmung von NT-pro BNP", sagte Privatdozent Christian A. Schneider, Kardiologe am Uni-Klinikum Köln.

Diabetikerinnen haben ein stark erhöhtes Risiko.

Die Grenzwerte lägen für unter 50-Jährige bei 300 bis 450 Picogramm pro Milliliter, für 50- bis 75-Jährige bei 300 bis 900 und für über 75-Jährige bei 300 bis 1.800 pg/ml. Bei Werten unter 300 pg/ml sei eine Herzinsuffizienz mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit auszuschließen.

Professor Oliver Schnell, Diabetologe am Uni-Klinikum München, präferiert ein ganz ähnliches diagnostisches Vorgehen, ebenfalls inclusive NT-pro BNP1. Und auch er betonte, dass Diabetiker viel häufiger als Nichtdiabetiker an Herzinsuffizienz erkranken. Nach Daten der UKPDS hänge das Herzinsuffizienz-Risiko sogar direkt von der Stoffwechseleinstellung bei Diabetikern ab.

"Jedes Prozent im HbA1c erhöhte das Herzinsuffizienz-Risiko um 16 Prozent", betonte Schnell. Herzinsuffizienz-Patienten hätten oft eine bislang undiagnostizierte Stoffwechselstörung; daher spreche vieles dafür, sie mittels oralem Glukosetoleranztest (oGTT) zu untersuchen, so Schnell. Eine generelle Empfehlung lasse sich aber aus den derzeit vorliegenden Studiendaten noch nicht ableiten.

Zur Therapie der systolischen Herzinsuffizienz bei Menschen mit Diabetes empfehlen beide Experten ACE-Hemmer, Angiotensin-II-Rezeptorblocker, Betablocker, Diuretika und eventuell Aldosteron-Antagonisten einzusetzen. Für die Behandlung von Patienten mit diastolischer Herzinsuffizienz sei die Datenlage nicht so sicher; am ehesten seien hier AT-1-Antagonisten, Kalziumantagonisten oder Diuretika Erfolg versprechend, sagte Schneider.

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