Ärzte Zeitung, 18.12.2008

Lindert Nabelschnurblut Diabetes bei Kindern?

Forscher hoffen, dass Stammzell-haltiges Blut die Regeneration insulinproduzierender Zellen fördert / Pilotstudie mit 10 Kindern in München

WÖRNBRUNN (sto). Münchener Forscher wollen Kinder mit Typ-1-Diabetes mit Stammzellen aus dem eigenen Nabelschnurblut behandeln. Sie erhoffen sich, dass sich dadurch die insulinproduzierenden Betazellen regenerieren.

Eine Pilotstudie mit zehn Kindern soll jetzt gestartet werden, wie Professor Anette-Gabriele Ziegler von der Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München berichtet hat. Hintergrund seien vielversprechende Ergebnisse einer US-Studie an der University of Florida, sagte Ziegler.

In dieser Studie wurden bisher 21 Kinder mit einer einmaligen Transfusion von autologem Nabelschnurblut behandelt. Zwischen der Diabetes-Diagnose und der Infusion lagen knapp acht Monate. Die im Mittel fünf Jahre alten Kinder hatten zum Zeitpunkt der Infusion einen HbA1c von 7,35 Prozent, so die Forscherin bei den Grünwalder Gesprächen. Im Vergleich zu Kindern einer Kontrollgruppe sei bei den mit Nabelschnurblut behandelten Kindern der HbA1c deutlich gesunken. Durch die Behandlung sei außerdem die Zahl der regulatorischen T-Zellen erheblich gestiegen, so Ziegler auf der vom Unternehmen Vita 34 unterstützten Veranstaltung.

In der deutschen Studie, die eine Laufzeit von zwei Jahren hat, soll nun unter anderem geprüft werden, ob Stammzellen im Nabelschnurblut eventuell zu einer Neubildung von insulinproduzierenden Betazellen und zu einer Wiederherstellung der Immuntoleranz führen. Mitmachen können Kinder, die älter als drei Jahre sind, deren Diagnose nicht länger als ein Jahr zurückliegt und deren eigenes Nabelschnurblut aufbewahrt wurde. Im Anschluss an eine einmalige Transfusion der autologen Nabelschnurblut-Zellen, die ambulant erfolgt, sind in den folgenden 24 Monaten insgesamt sechs Nachuntersuchungen vorgesehen.

In der US-Studie seien erste Effekte etwa vier Wochen nach der Transfusion gesehen worden, berichtete Ziegler. Ob die Effekte dauerhaft sind, sei derzeit unklar. Bisher überblicke man lediglich einen Zeitraum von maximal zwei Jahren.

Die Forscher hoffen jedoch, dass durch die Transfusion ein weiterer Verlust an Betazellen verhindert und eventuell sogar eine Regeneration erreicht werden kann. Ziel einer derartigen Therapie wäre es, einen Rest an körpereigener Insulinproduktion zu erhalten, sodass die Kinder künftig weniger Insulin pro Tag benötigen, erläuterte Ziegler.

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