Ärzte Zeitung, 10.03.2009

Antidepressive Therapie hilft oft mehr als zusätzliche Antidiabetika

Diabetiker bekommen viel häufiger Depressionen als Nicht-Diabetiker. Betroffenen fällt es besonders schwer, die Erfordernisse der Therapie einzuhalten.

Traurig und verzweifelt: Für depressive Diabetiker sind Medikamente, Diätvorschriften und Bewegungsprogramme oft zweitrangig.

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In der Praxis werden leider nur 25 bis 50 Prozent der Diabetes-Patienten mit Depressionen erkannt, so Professor Norbert Herrmanns vom Forschungsinstitut Diabetes Akademie in Bad Mergentheim (Der Diabetologe 5, 2009, 38). Nach seinen Angaben erkranken Patienten mit Diabetes etwa doppelt so häufig an einer Depression wie Nicht-Diabetiker.

Ebenso belegen Studiendaten, dass depressive Diabetes-Patienten eine schlechtere Prognose haben als Diabetespatienten ohne Depression. Betroffene haben häufig eine schlechtere glykämische Kontrolle, und ihr Risiko, eine Folgekrankheit von Diabetes zu bekommen, steigt mit zunehmender Schwere der Depression an. Nach Studiendaten ist bei Diabetikern mit Depressionen die Sterberate zwei- bis dreimal höher im Vergleich zu gleichaltrigen nichtdepressiven Diabetikern.

Hinweise darauf, warum depressive Diabetiker eine vergleichsweise schlechte Prognose haben, hat eine Metaanalyse von 47 Studien mit 17 319 Patienten ergeben (Diabetes Care 31, 2008, 2398). Dabei wurde der Zusammenhang zwischen der Depressivität und der Qualität der Selbstbehandlung analysiert. Besonders deutlich war dabei der Zusammenhang zwischen einer erhöhten Depressivität und der Nichteinhaltung von Arztterminen.

Je stärker ausgeprägt die Depression war, desto weniger befolgten Patienten eine angemessene Diät, desto seltener hielten sie sich an Bewegungsratschläge oder nahmen ihre Medikamente ein und desto seltener waren Blutzuckerselbstkontrollen. Das Fazit: Depressiven Menschen mit Diabetes fällt es eindeutig schwerer, ihre Diabetestherapie angemessen selbstständig zu regeln. Dies erklärt auch die vergleichsweise schlechten Therapieergebnisse.

"Bei Diabetespatienten, bei denen trotz optimierter Therapie und ausreichendem Kenntnisstand über die Erkrankung und deren Therapie nur unzureichende Behandlungsergebnisse erzielt werden, sollte man häufiger das Vorliegen einer subklinischen oder sogar klinischen depressiven Störung in Betracht ziehen", betont Herrmanns. Ein verbessertes Management von depressiven Störungen in der Praxis kann bei diesen Patienten eine nachhaltigere Verbesserung des Behandlungserfolges herbeiführen als so manche weitere Therapieeskalation.

Ein erster Schritt für ein verbessertes Management von Depressionen bei Diabetespatienten ist das regelmäßige Monitoring der allgemeinen Befindlichkeit durch den im Diabetikerpass integrierten WHO-5-Fragebogen zum Wohlbefinden. (eb)

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