Ärzte Zeitung, 24.03.2009

Nach Gestationsdiabetes dürfen Mütter nicht vergessen werden!

Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes haben nach der Geburt ein hohes Risiko, manifesten Diabetes zu kriegen. Bewegung und gesunde Kost beugen vor.

Bei ihnen ist Diabetes-Prävention mit viel Bewegung und gesunder Kost besonders sinnvoll: Mütter mit Gestationsdiabetes in der Anamnese.

Gestationsdiabetes ist in Deutschland häufig und nimmt zu. So wurde im Jahr 2002 bei 8806 Frauen Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert, im Jahr 2007 waren es bereits 17 669 und damit 2,7 Prozent aller Schwangeren, wie Dr. Helmut Kleinwechter aus Kiel berichtet hat. Es wird zudem davon ausgegangen, dass gut jede zweite Schwangere mit Gestationsdiabetes nicht erkannt wird. Schwangerschaftsdiabetes trifft vor allem stark übergewichtige Frauen über 35 Jahre und inzwischen auch zunehmend Jüngere.

Während der Schwangerschaft ist Gestationsdiabetes ein Risiko für Mutter und Kind. Und nach der Geburt haben betroffene Mütter ein hohes Diabetesrisiko. So hatten in einer deutschen Studie acht Jahre nach der Geburt 53 Prozent der Frauen mit einem ehemaligen Gestationsdiabetes einen manifesten Diabetes bekommen, wie der Diabetologe beim Diabetes Update in Düsseldorf berichtet hat. Betroffene Mütter müssen deshalb regelmäßig auf Diabetes untersucht werden. Dass sie zudem mit gesunder Kost und Bewegung oder auch mit Metformin dem Diabetes erfolgreich vorbeugen können, hat jetzt eine Subgruppenanalyse des Diabetes Prevention Programms (DPP) ergeben. An dieser US-Studie hatten insgesamt 3234 Menschen ohne manifesten Diabetes aber mit gestörter Glukosetoleranz teilgenommen (wir berichteten). Es gab dabei mehrere Interventionsgruppen, und zwar mit:

  • intensiver Schulung zu Lebensstiländerung mit kalorien- und fettreduzierter Ernährung und mindestens 150 Minuten Bewegung pro Woche,
  • Prävention mit Metformin oder
  • Behandlung mit einem Placebo.

Bei den Teilnehmern wurden im Mittel drei Jahre Daten erhoben. Analysiert wurden jetzt die Daten von 350 Teilnehmerinnen mit Gestationsdiabetes in der Anamnese (J Clin Endocrin Metab 93, 2008, 4774). Der Schwangerschaftsdiabetes hatte bei den Frauen dabei im Mittel 12 Jahre zurückgelegen.

Ergebnis: Bei den Teilnehmerinnen der Placebo-Gruppe betrug die Rate von Diabetes-Neuerkrankungen 15,4 Prozent pro 100 Patientenjahre. In den Interventions-Gruppen waren diese Raten nur etwa halb so hoch. Ermittelt wurden 7,8 Prozent (Metformin) und 7,4 Prozent (Lebensstilgruppe). "Besonders groß war der Nutzen in der Lebensstilgruppe", betonte Kleinwechter: Hier mussten etwa fünf Frauen geschult werden, um binnen drei Jahren eine Diabetes-Erkrankung zu verhindern. (eis)

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