Ärzte Zeitung online, 11.05.2009

Schon ein hohes Typ-2-Diabetes-Risiko verkürzt die Lebenserwartung massiv

POTSDAM-REHBRÜCKE (eb). Menschen mit einem stark erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes erkranken fast dreimal so häufig an einem Herzinfarkt und ihre Lebenserwartung ist um etwa 13 Jahre verkürzt - unabhängig von Alter und Geschlecht. Ebenso erleiden sie fast doppelt so häufig einen Schlaganfall, wie Menschen mit sehr geringem Risiko. Ein Fragebogen zum Diabetesrisiko steht im Internet.

Die Risiken wurden in der Potsdamer EPIC-Studie gefunden, in der die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht werden. EPIC steht für "European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition". Die Wissenschaftler gingen den Fragen nach: Haben Personen, die laut Diabetes-Test eine erhöhte Erkrankungswahrscheinlichkeit für Typ-2-Diabetes besitzen, auch ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen? Und gibt es auch einen Zusammenhang zwischen dem Testergebnis und dem Sterblichkeitsrisiko?

Hierzu werteten die Forscher die Daten von 23 455 Frauen und Männern im Alter zwischen 35 und 65 Jahren aus (Eur J Epidemiol, online vorab, April 2009). Dabei verglichen sie die Werte von Teilnehmern mit einer niedrigen Erkrankungswahrscheinlichkeit für Diabetes von unter einem Prozent, mit den Werten von Personen mit einer höheren Erkrankungswahrscheinlichkeit. Im Extremfall betrug diese über zehn Prozent.

Mit steigender Erkrankungswahrscheinlichkeit für Diabetes erhöhte sich auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie das Sterblichkeitsrisiko. So hatten Personen mit sehr hohen Werten im Diabetes-Risiko-Test unabhängig vom Alter ein 2,7-fach erhöhtes Herzinfarkt- sowie ein 1,9-fach erhöhtes Schlaganfall-Risiko. Zudem war ihr Sterblichkeitsrisiko um das 2,4-fache erhöht, was einer um 13 Jahre verkürzten Lebenserwartung entspricht.

"Wie unsere Untersuchung zeigt, sind die Ergebnisse des Deutschen Diabetes-Risiko-Tests auch mit anderen Erkrankungsrisiken assoziiert", erklärt Matthias Schulze. So seien Personen, die höhere Diabetes-Testwerte erzielten, ebenfalls stärker gefährdet, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden und hierdurch vorzeitig zu sterben. Dass diese Zusammenhänge unabhängig vom Alter der Person seien, zeige, welch wichtige Rolle Übergewicht, Ernährungsgewohnheiten und Lebensstil auch für diese Erkrankungen spielten, ergänzt Schulze. Allerdings solle der Deutsche Diabetes-Risiko-Test nicht als Risikotest für Herz-Kreislauf-Erkrankungen angesehen werden, dafür sei er nicht optimiert.

Zahlen und Daten zur Studie

Von den 23 455 Studienteilnehmern erkrankten während der Nachbeobachtungszeit von 8 Jahren 214 Personen an einem Herzinfarkt. 186 Personen erlitten einen Schlaganfall. Zudem erkrankten 68 Studienteilnehmer an Kolonkrebs, 194 Personen erkrankten an Brustkrebs und 145 Personen erkrankten an Prostatakrebs. 624 der Studienteilnehmer starben im Beobachtungszeitraum.

Zusammenhänge zwischen erhöhten Diabetes-Risiko-Testwerten und einem erhöhten Risiko für Brust-, Dickdarm- und Prostatakrebs konnten die Wissenschaftler ebenfalls beobachten. Diese waren aber weitestgehend altersabhängig.

Die Potsdamer EPIC-Studie ist eine prospektive Beobachtungsstudie. Bei der Auswertung einer prospektiven Studie ist es wichtig, dass die Teilnehmer zu Beginn der Studie noch nicht an der zu untersuchenden Krankheit leiden. Die Risikofaktoren für eine bestimmte Erkrankung lassen sich so vor ihrem Entstehen erfassen, wodurch eine Verfälschung der Daten durch die Erkrankung weitestgehend verhindert werden kann - ein entscheidender Vorteil gegenüber retrospektiven Studien.

Der Deutsche Diabetes-Risiko-Test:

Bereits im Jahr 2007 entwickelten DIfE-Wissenschaftler basierend auf den Daten der Potsdamer EPIC-Studie den Deutschen Diabetes-Risiko-Test. Mit diesem Test kann jeder Erwachsene auf einfache aber sehr präzise Weise sein persönliches Risiko bestimmen, in den nächsten fünf Jahren an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken. Die Anwendung des Tests erfordert weder eine ärztliche Untersuchung noch die Analyse von Blutproben, da lediglich Angaben zu Alter, Taillenumfang, Ernährungsgewohnheiten und Lebensstil gemacht werden müssen.

Der Test ist seit 2007 als interaktiver Online-Test und seit 2008 auch als Fragebogen im Internet verfügbar auf www.dife.de

Zum Abstract der Originalarbeit "Association of a diabetes risk score with risk of myocardial infarction, stroke, specific types of cancer, and mortality: a prospective study in the European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC)-Potsdam cohort"

Lesen Sie dazu auch:
Diabetes-Risiko-Test hilft bei der Prävention

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