Ärzte Zeitung, 22.05.2009

Liraglutid: Eine neue Therapie vor dem Start

Mit Liraglutid kommt ein Antidiabetikum, das glukoseabhängig die Insulinsekretion stimuliert. Hypoglykämien sind kein Problem. Weitere günstige Effekte kommen hinzu.

Von Peter Overbeck

Mit Liraglutid kündigt sich ein neuer Wirkstoff an, der das Repertoire der Antidiabetika schon bald bereichern könnte. Denn außer einer blutzuckersenkenden Wirkung verfügt die Substanz über weitere bei Diabetes-Erkrankung vorteilhafte Wirkeigen- schaften.

Ein Diabetiker kontrolliert seinen Blutzucker.

Foto: evgenyb©fotolia.de

Als Analogon des endogenen Inkretin-Hormons GLP-1 (Glucagon-Like-Peptide-1) stimuliert Liraglutid glukoseabhängig die Insulinsekretion. Glukoseabhängig bedeutet: Nur bei erhöhten Blutzuckerspiegeln wird Insulin ausgeschüttet. Diese "bedarfsgerechte" Wirkung auf die Insulinsekretion erhöht die Sicherheit der antidiabetischen Therapie, was die Häufigkeit von Hypoglyk- ämien betrifft.

Eine Substanz mit vier Wirkmechanismen

Liraglutid reduziert zudem - auch dies glukoseabhängig - die Sekretion des Insulin-Gegenspielers Glukagon, berichtete Professor Michael Nauck bei einem Symposium von Novo Nordisk in Leipzig. Dementsprechend produziert die Leber weniger Glukose. Als dritte Wirkung führte Nauck die Verzögerung der Magenentleerung an. Liraglutid stimuliert schließlich auch noch das Sättigungsgefühl, was eine langfristige Gewichtsabnahme begünstigt.

Die neue Substanz ist ein relativ lang wirksames GLP-1-Analogon, das, wie die klinische Erfahrung in Studien bestätigt, eine anhaltend gute Wirksamkeit bei nur einmal täglicher subkutaner Applikation ermöglicht. Nauck sprach von einem "Quantensprung in der Therapie".

Liraglutid ist in einem umfangreichen, aus mehreren Phase-III-Studien bestehenden Forschungsprogramm (LEAD, Liraglutide Effect and Action in Diabetes) einer klinischen Prüfung unterzogen worden. Von den daran beteiligten etwa 6 500 Diabetikern sind etwa 4 200 mit dem GLP-1-Analogon behandelt worden.

Das LEAD-Programm sah in unterschiedlichen Konstellationen Vergleiche mit einigen der am häufigsten verwendeten Antidiabetika (Sulfonylharnstoffe, Glitazone, Basalinsulin) vor. In der LEAD-6-Studie kam es auch zu einem Direktvergleich mit einem zweiten GLP-1-Analogon (Exenatid). Die insgesamt sechs LEAD-Studien dokumentieren übereinstimmend, gemessen an der Verbesserung von HbA1c, die gute blutzuckersenkende Wirkung von Liraglutid sowohl in der Monotherapie als auch in Kombination mit verschiedenen oralen Antidiabetika.

Die Patienten nehmen deutlich ab

Wenn überhaupt, dann nur geringgradige Hypoglykämien haben bei dieser Therapie keine Bedeutung. LEAD-6 ergab im offenen Vergleich mit Exenatid eine stärkere HbA1c-Senkung durch Liraglutid - jeweils in Kombination mit Metformin und/oder einem Sulfonylharnstoff.

Als konsistent erwies sich in allen Studien auch der günstige Effekt der Substanz auf das Körpergewicht. Dabei führte Liraglutid zum Teil zu einer ausgeprägten Gewichtsabnahme, von der insbesondere Typ-2-Diabetiker mit einem initial hohen BMI profitierten. Beobachtet wurde zudem eine Reduktion des systolischen Blutdrucks.

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur EMEA hat im April ein positives Gutachten zur Therapie mit Liraglutid bei Typ-2-Diabetes vorgelegt und die Zulassung empfohlen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zahl der Behandlungsfehler stagniert

"Fehler passieren, auch in der Medizin. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten durch einen Behandlungsfehler zu Schaden kommen, ist extrem gering." So lautete das Fazit von Dr. Andreas Crusius bei der Vorstellung der Behandlungsfehlerstatistik. mehr »

Naturvolk mit erstaunlich gesunden Gefäßen

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »