Ärzte Zeitung, 22.05.2009

Moderne Antidiabetika erleichtern Einstellung

Moderne Antidiabetika erleichtern Einstellung

Ein komisches, flaues Gefühl, das der Diabetiker für eine Hypoglykämie hält, kann die gesamte Stoffwechselkontrolle torpedieren. Vermehrte Blutzucker-Selbstmessungen, auch im Tagesverlauf, und moderne Medikamente können hier helfen.

Darauf hat Professor Stephan Jacob vom Kardio-Metabolischen Institut in Villingen-Schwenningen beim Kongress hingewiesen. Wie der Diabetologe und Hypertensiologe an einem typischen Patientenbeispiel demonstrierte, gibt es zwei Strategien, mit denen ein Patient dieser Verunsicherung begegnet: Er vermeidet Bewegung, weil danach eher das Hypoglykämie-Gefühl auftritt, und er isst häufiger Zwischenmahlzeiten, um den Blutzuckerabfall zu vermeiden - beides Selbsthilfemaßnahmen, die es zu vermeiden gelte, so Jacob. Besonders Sulfonyl-Harnstoffe und Insulin bergen ein Hypoglykämierisiko. "Wenn der Diabetiker anfängt, Sport zu treiben und sich gesünder ernährt, die Eingangsmedikation aber dieselbe bleibt, kann es gefährlich werden," so Jacob bei einem Symposium von BMS/AstraZeneca.

Moderne Antidiabetika erleichtern Einstellung

Professor Stephan Jacob: Gründe für Hypoglykämien sollten geklärt werden.

Foto: kat

Um als Arzt der Situation begegnen zu können, empfahl er, die Gründe für die Hypoglykämien abzuklären und dann mit der antihyperglykämischen Therapie gezielt auf die einzelnen Regelgrößen Einfluss zu nehmen.

Moderne orale Antidiabetika wie ein Inkretinverstärker oder ein Glitazon sind hier von Vorteil, weil sie mehrere Regelgrößen günstig beeinflussen. So auch in seinem Fallbeispiel: Sobald der Patient auf einen DPP4 (DiPeptidyl-Peptidase)-Hemmer umgestellt war, verschwand innerhalb von drei Tagen das unsichere Gefühl. Das morgendliche Walken wurde wieder aufgenommen, Zwischenmahlzeiten waren nicht mehr notwendig, das Gewicht ging nach unten und die Motivation für Lebensstil-Interventionen stieg. All dies wirkte sich positiv auf die Blutzuckereinstellung aus.

Auch die Gewichtszunahme stellt ein wichtiges Therapiehindernis dar. Denn zunächst werde den Patienten eingebläut, Gewicht zu reduzieren und dann erhielten sie eine Therapie, die es steigen lässt. Das sei den Patienten nicht zuzumuten und zudem insbesondere mit Blick auf die kardiovaskulären Folgen ungünstig, so Jacob. (kat)

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