Ärzte Zeitung online, 18.06.2009

Nierenschäden als Folge des Diabetes sind vermeidbar

BERLIN/BOCHUM (eb). Leiden Diabetiker an der sogenannten diabetischen Nephropathie, drohen ihnen nicht nur Nierenversagen und Dialyse. Auch das vorzeitige Sterberisiko ist erhöht. Neue Forschungserkenntnisse könnten zukünftig Therapien ermöglichen, die bis ins hohe Alter die Nierenfunktion erhalten. Schon heute gibt es Wege, die Niere zu schützen.

Nierenschäden als Folge des Diabetes sind vermeidbar

Foto: Snowleopard1©www.fotolia.de

Bis zu 50 Prozent der Menschen mit Diabetes leiden nach längerer Diabetesdauer unter einer mehr oder weniger ausgeprägten diabetischen Nephropathie. Erstes Anzeichen der Nierenerkrankung ist das Auftreten von Eiweiß im Urin. Denn es gelingt der Niere nicht mehr, dieses im Blut zurückzuhalten, da ihre Filter, die Glomeruli, durchlässig werden.

Die Poren in den Filtern werden von spezialisierten Fußzellen gebildet. Ihre Schädigung ist vermutlich der Beginn der Nephropathie. Professor Gunter Wolf von der Universität Jena informiert in einem aktuell veröffentlichten Übersichtsartikel über neue Erkenntnisse aus der Forschung, die zukünftig die diabetische Nephropathie verhindern oder sogar heilen könnten (Der Diabetologe 2009, 5, 190).

Wolf bestätigt jedoch auch, dass an Diabetes Erkrankte schon heute ihre Nieren bis ins hohe Alter schützen können: Neuere Untersuchungen an großen Patientengruppen zeigen, dass langfristig gute Blutzuckerwerte zumindest das Fortschreiten der Nephropathie verlangsamen. Ebenso wichtig ist, den häufig mit auftretenden hohen Blutdruck zu behandeln. Standard ist hier eine Therapie mit Medikamenten aus der Gruppe der ACE-Hemmer und Angiotensin-Blocker. Sie greifen direkt in die Regulierung des Blutdrucks ein, an der die Nieren maßgeblich beteiligt sind.

Um die nierenschützende Wirkung der Medikamente zu verbessern, werden heute höhere Dosierungen als noch vor einigen Jahren eingesetzt. Der Versuch, die Wirkung durch die Kombination beider Substanzklassen weiter zu verbessern, ist jedoch in einer aktuellen Studie gescheitert. Ein weiterer, neuer Wirkstoff gegen den hohen Blutdruck ist Aliskiren. Wird es mit einem Angiotensin-Blocker kombiniert, sinkt die Eiweißausscheidung über die Niere. Weitere Untersuchungen sollen zeigen, ob Aliskiren langfristig hilft, die Nieren von Menschen mit Diabetes gesund zu halten.

In der Diabetes-Therapie ist die gesunde und funktionsfähige Niere ein wichtiges Therapieziel. Nach Angaben der Deutschen Diabetes-Gesellschaft und diabetesDE bilden Menschen mit Diabetes die größte Gruppe der Patienten, die jedes Jahr neu mit einem Nierenersatzverfahren behandelt werden müssen. Zurzeit erhalten etwa 20 000 der an Diabetes Erkrankten eine Dialyse.

Zum Abstract der Originalarbeit "Diabetes und Niere - Update 2009"

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