Ärzte Zeitung, 10.11.2009

Nierenschutz schon zu einem frühen Zeitpunkt

Trotz aller therapeutischen Bemühungen entwickeln nach wie vor viele Diabetiker eine Nephropathie. Werden sie frühzeitig mit dem AT1-Rezeptorblocker Olmesartan behandelt, lässt sich der Beginn dieser Entwicklung hinauszögern oder verhindern.

Von Wiebke Kathmann

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Mikroalbuminurie ist ein frühes Warnzeichen für renale Schädigung und prädiktiv für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko.

Foto: Sebastian Kaulitzki©www.fotolia.de

SAN DIEGO. Dafür sprechen die Ergebnisse der jüngst beim Kongress der US-amerikanischen Gesellschaft für Nephrologie (ASN) in San Diego vorgestellten ROADMAP*-Studie. Insgesamt 4400 Typ-2-Diabetiker sind für 3,5 Jahre entweder mit dem AT1-Rezeptorblocker Olmesartan (40 mg) oder Placebo zusätzlich zur ihrer sonstigen antihypertensiven Medikation behandelt worden.

Außergewöhnlich gute Einstellung des Blutdrucks

Mit einer Quote von 80 Prozent erreichte ein für diese Patientenpopulation außergewöhnlich hoher Anteil den Zielblutdruck von unter 130/80 mmHg - ein per se wichtiger therapeutischer Erfolg.

Darüber hinaus konnte durch Olmesartan das Risiko für eine Mikroalbuminurie - der primäre Studienendpunkt - signifikant um 23 Prozent gesenkt werden. Auch nach Korrektur für die etwas stärkere Senkung des Blutdrucks unter dem AT1-Rezeptorblocker ergab sich eine blutdruckunabhängige Senkung des Mikroalbuminurie-Risikos um 17 bzw. 18 Prozent durch Olmesartan, berichtete Studienleiter Professor Hermann Haller aus Hannover.

Die Rate der kardiovaskulären Ereignisse und Todesfälle war insgesamt sehr niedrig - vermutlich eine Folge der sehr guten Blutdrucksenkung, so Haller. Bei der Gesamtrate dieser Ereignisse gab es keinen Unterschied zwischen beiden Gruppen.

Allerdings war die Zahl der kardiovaskulären Todesfälle mit 15 versus 3 im Olmesartan-Arm signifikant höher als im Placebo-Arm. Angesichts einer ingesamt niedrigen Ereignisrate, die kaum höher als in der gesunden Normalbevölkerung war, könnte dieser Unterschied ein Produkt des Zufalls sein, meinte Haller. Eine endgültige Aussage dazu, ob aus der Senkung des Mikroalbuminurie-Risikos für die Patienten eine Verringerung von Morbidität und Mortalität resultiert, werden erst die Ergebnisse der laufenden längerfristigen Follow-up-Studie erlauben.

Üblichweise wird der Arzt dann tätig, wenn der Patienten mit Symptomen in die Praxis kommt. Bei kardiovaskulären Erkrankungen ist das spät. Deshalb wird heute bereits in der subklinischen Phase interveniert, wenn ein validierter Marker ein erhöhtes individuelles Risiko anzeigt.

Von allen verfügbaren Markern einer vaskulären Schädigung zeichnet sich der Test auf Mikroalbuminurie durch eine sehr hohe prädiktive Aussagekraft nicht nur bezüglich des renalen, sondern auch des kardiovaskulären Risikos aus - bei zugleich sehr guter Verfügbarkeit und nicht zuletzt niedrigen Kosten.

Er ist zudem leicht durchführbar: Entgegen der noch immer kursierenden Annahme muss kein 24-h-Urin gesammelt werden. Es reicht eine Probe des Morgenurins. Eine einzelne positive Probe ist nicht aussagekräftig; es sollten innerhalb eines halben Jahres drei Tests durchgeführt werden, von denen zwei positiv sein müssen, um eine Mikroalbuminurie diagnostizieren zu können.

Die Messung dieses Parameters verschafft dem Arzt nach Ansicht Hallers eine gute Orientierung, wie intensiv er antihypertensiv behandelt muss.

Test auf Mikroalbuminurie von Relevanz in der Praxis

Und sie kann außerdem dazu beitragen, den Patienten mit Hypertonie stärker in die Therapie einzubinden, da sich daran verdeutlichen lässt, welchen Schaden der erhöhte Blutdruck bereits angerichtet hat. "Wenn ein Patient mit einem Blutdruck von 150/100 mmHg in die Praxis kommt und keine Hinweise auf eine vaskuläre Schädigung hat, muss der Blutdruck zwar behandelt werden, es besteht aber keine so hohe Dringlichkeit. Sind die Tests auf eine vaskuläre Schädigung dagegen positiv, sollte er innerhalb von sechs Monaten auf Zielwert sein," so Haller.

*ROADMAP: The Randomized Olmesartan and Diabetes Microalbuminuria Prevention Study

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