Ärzte Zeitung online, 30.12.2009

Stiftung vergibt Forschungsstipendium für Herzchirurgie der MHH

HANNOVER (eb). Erstmalig hat die Stiftung DHD (Der herzkranke Diabetiker) im Dezember das Forschungsstipendium für Nachwuchswissenschaftler verliehen. Der Preis mit einem Fördervolumen von 20 000 Euro ging an die Kardiochirurgin Bettina Wiegmann von der MHH.

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Bettina Wiegmann (Mitte) ist erste Forschungsstipendiatin der Stiftung DHD. Der Preis wurde im Dezember von Professor Stefan R. Bornstein (TU Dresden, links) und Professor Diethelm Tschöpe (HDZ NRW Bad Oeynhausen, Vorsitzender Stiftung DHD, rechts) übergeben.

Foto: © K. Hertrampf/ Stiftung DHD

Das von Astra Zeneca und Bristol-Myers Squibb unterstützte Stipendium nahm Wiegmann bei der Stiftungsjahrestagung in Berlin entgegen. "Wir wollen mit dem Preis junge Akademiker zur Forschung stimulieren und innovative Projekte fördern, die sich der Stoffwechsel- und Gefäßproblematik herzkranker Diabetiker widmen." Darauf wies Professor Diethelm Tschöpe, Vorsitzender der Stiftung DHD, in einer Mitteilung der MHH hin. Sitz der Stiftung DHD ist am Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen.

Die ausgezeichnete Kardiochirurgin forscht zu Bypassmaterial für Diabetiker

Die Kardiochirurgin Wiegemann untersucht, welches Bypassmaterial für Diabetiker geeignet ist. Diese Frage wird bislang kontrovers diskutiert.

Diabetiker haben eine hohe kardiovaskuläre Mortalität (2- bis 4-fach erhöht). Die koronare Herzkrankheit (KHK) gilt als häufigste Todesursache. Neben interventioneller Koronarangioplastie (PTCA) ist die koronarchirurgische Bypassoperation (CABG) eine Option in der Therapie der KHK. Diabetiker haben hier ein hohes Risikopotenzial für peri- und postoperative Komplikationen. Die pathophysiologischen Zusammenhänge von erhöhten Blutzuckerspiegeln und Langzeitfolgen am Gefäßsystem (Mikro- und Makroangiopathen) sind noch nicht ausreichend geklärt.

Bei Diabetikern gibt es Belege für eine frühe Reduzierung der vaskulären Bioverfügbarkeit von Stickstoffmonoxid (NO) und der damit verbundenen endothelvermittelten Vasodilatation. Die vorzeitige Inaktivierung von NO durch freie Sauerstoffradikale scheint dabei eine wesentliche Rolle zu spielen.

Ein Grund für die Herzprobleme ist die Dysbalance eines wichtigen Enzymsystems

Für die Produktion und den Abbau der Radikale sind zwei Enzymsysteme wichtig, die in der Gefäßwand exprimiert werden: die endotheliale Xanthinoxidase (XOD) und die extrazelluläre antioxidative Superoxiddismutase (SOD). Während XOD mit einer gesteigerten Produktion freier Sauerstoffradikale einhergeht, vermittelt SOD die Inaktivierung bereits gebildeter Radikale in den Gefäßwänden.

Die Dysbalance der Enzymsysteme führt zu einer veränderten Empfindlichkeit gegenüber vasoaktiven Substanzen. In der Studie soll die vaskuläre oxidative Balance bei Patienten mit KHK und Typ-2-Diabetes im Vergleich zu einer Kontrollgruppe ohne Diabetes geklärt werden. Hierfür werden XOD und SOD als Schlüsselenzyme des oxidativen Stresses qualitativ und quantitativ analysiert.

Im Forschungsprojekt werden sowohl Blutproben als auch für einen Bypass genommene Gefäße (A. mammaria interna, A. radialis, V. saphena magna) auf das Verhältnis der beiden Enzymsysteme untersucht werden. Ziel ist es, die Eignung verschiedener Bypassmaterialien (Arterie versus Vene) zu prüfen und neue Ansätze in Diagnostik und Therapie bei vaskulären oxidativem Stress zu liefern.

Die Stiftung DHD verleiht auch 2010 wieder das mit 20 000 Euro dotierte Forschungsstipendium. Die Bewerber sollten bei Einreichen ihres Forschungsvorhabens das 35. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Einsendeschluss für die Projektskizzen interessierter Akademiker ist der 1. September 2010. Weitere Informationen auf www.stiftung-dhd.de

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