Ärzte Zeitung online, 02.03.2010

Fetthormon Leptin könnte Diabetes-Therapie ergänzen

DALLAS/WASHINGTON (dpa). Das Fetthormon Leptin könnte zukünftig bei einigen Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 die Insulin-Therapie ergänzen. Davon gehen US-Forscher aus, die die Wirkung des Hormons bei zuckerkranken Mäusen untersucht haben.

Leptin senke den Blutzucker wie Insulin, wirke sich aber positiv auf den Fettstoffwechsel aus und vermindere womöglich das Risiko für Herzerkrankungen, die mit Diabetes einhergehen können.

Die Wissenschaftler um Professor Roger Unger vom Touchstone Center for Diabetes Research in Dallas gaben 15 normalgewichtigen Mäusen mit Diabetes mellitus Typ 1 Leptin und verglichen die Ergebnisse mit denen von Mäusen, die Insulin oder eine Salzlösung erhalten hatten. Das Ergebnis zeigte: Leptin senkte den Blutzucker und den Diabetes-Marker HbA1c der Mäuse ebenso wie Insulin. Gleichzeitig hatten die Leptin-Mäuse weniger Hunger, es wurde Fett abgebaut und sie verloren Gewicht, während die Insulin-Mäuse an Körperfett und Gewicht zulegten (PNAS 2010, online vorab).

Die Forscher identifizierten verschiedene Eiweiße, die für die Bildung von Körperfett und Cholesterin zuständig sind, und fanden heraus, dass die Leptin-Mäuse im Vergleich zu den anderen Mäusen weniger davon hatten. Es fanden sich auch weniger freie Fettsäuren im Blut, die Ursache dafür sind, dass Körperzellen unempfindlicher für Insulin werden und sich eine Insulinresistenz entwickelt.

Die Wissenschaftler gaben den Mäusen zunächst hohe Dosierungen von Leptin, die in angemessener Dosis bei Menschen viel zu teuer seien. Sie stellten jedoch fest, dass sie auch mit weniger Leptin, das regelmäßig über eine Medikamentenpumpe gegeben wurde, die gleiche Wirkung erzielten und kombinierten das Hormon mit Insulin.

Die Forscher gehen nicht davon aus, dass Leptin die Gabe von Insulin ganz ersetzen kann. Zudem merken sie an, dass übergewichtige Patienten nicht von Leptin profitieren könnten, da sie oft resistent dagegen sind.

Leptin wird unter anderem in Fettzellen des Körpers gebildet und wurde im Jahr 1994 entdeckt. Da es den Hunger zügelt und Fette abbaut, wurde es zunächst als Abspeck-Mittel der Zukunft betrachtet. Allerdings stellte sich heraus, dass Übergewichtige meist nicht auf die Wirkung des Hormons ansprechen, also dagegen resistent sind.

Zum PDF der Originalstudie: "Leptin therapy in insulin-deficient type I diabetes"

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