Ärzte Zeitung online, 20.05.2010

Typ-2-Diabetiker haben ein erhöhtes Krebsrisiko - außer für Prostatakrebs

HEIDELBERG (eb). Patienten mit Diabetes Typ 2 haben ein erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken. Am deutlichsten zeigte sich der Effekt in einer neuen Studie bei Leber- und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Dagegen erkranken Diabetiker signifikant seltener an Prostatakrebs.

zur Großdarstellung klicken

CT-Bild bei Prostatakarzinom. © Dr. Cornelia Möhring / Springer Medizin Verlag

Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) werteten für diese Untersuchung Daten aus, die von 1964 bis 2007 in Schweden bei jeder Krankenhausentlassung an ein Register gemeldet wurden. Diese Daten wurden mit dem schwedischen nationalen Familien-Krebsregister kombiniert, das seit 1958 alle Krebsfälle des Landes erfasst. Da das Krebsregister mit einem Mehrgenerationenregister verknüpft ist, können auch Krebsfälle unter den Eltern und Geschwistern der Patienten verfolgt werden.

Um präzise zu erfassen, bei welchen Krebserkrankungen Diabetes eine Rolle spielt, führte Professor Kari Hemminki im Deutschen Krebsforschungszentrum gemeinsam mit Kollegen in Schweden und den USA die bislang größte Studie zu Krebsrisiken bei Typ-2-Diabetikern durch. Die Untersuchung schloss 125.126 schwedische Bürger ein, die aufgrund von Typ-2-Diabetes-bedingten Beschwerden ein Krankenhaus aufgesucht hatten. Die Epidemiologen verglichen das Auftreten von Krebserkrankungen bei diesen Patienten mit dem in der schwedischen Allgemeinbevölkerung (The Oncologist online).

Die Größe der Studie erlaubte erstmals, auch Zusammenhänge zwischen Diabetes und selteneren Krebsarten zu quantifizieren. Die Forscher entdeckten, dass Typ-2-Diabetiker ein erhöhtes Erkrankungsrisiko für 24 der untersuchten Krebsarten haben. Die deutlichste Risikosteigerung wurde für Bauchspeicheldrüsenkrebs und Leberzellkrebs beobachtet: Typ-2-Diabetiker erkranken sechs Mal beziehungsweise vier Mal häufiger daran als die Allgemeinbevölkerung. Ein mehr als doppelt so hohes Erkrankungsrisiko beobachteten die Epidemiologen auch für Krebs der Nieren, Schilddrüse, Speiseröhre, des Dünndarms und des Nervensystems.

Die Studie bestätigte außerdem die Beobachtung, dass Typ-2-Diabetiker signifikant seltener an Prostatakrebs erkranken. Dies zeigte sich besonders deutlich bei Patienten, in deren Familie Diabetes bereits aufgetreten war. Je mehr zuckerkranke Angehörige, desto geringer das persönliche Prostatakrebsrisiko. "Über die Gründe dafür können wir bislang nur spekulieren", so Hemminki in einer Mitteilung des DKFZ. "Möglicherweise ist ein niedrigerer Spiegel an männlichen Geschlechtshormonen bei Diabetikern mit verantwortlich."

Könnte es sein, dass die Krebsraten der untersuchten Typ-2-Diabetiker nur deswegen erhöht zu sein scheinen, weil ihre Tumoren im Rahmen einer Routinediagnostik im Krankenhaus zufällig früher entdeckt wurden? Um dies auszuschließen, analysierten die Forscher zusätzlich, wie viele Krebsfälle bei den Studienteilnehmern ein und fünf Jahre nach den Krankenhausaufenthalten aufgetreten waren. Dabei zeigte sich zwar eine etwas geringere Risikosteigerung, aber der Trend blieb gleich.

In den industrialisierten Ländern erkranken zwischen 2 und 20 Prozent aller Einwohner an Typ-2-Diabetes. Die Stoffwechselkrankheit gehört damit zu den größten Herausforderungen an das öffentliche Gesundheitswesen. Kennzeichen des Typ-2-Diabetes, früher fälschlicherweise oft als Alterszucker bezeichnet, ist eine Insulinresistenz des Gewebes. Das bedeutet, dass die Zellen auf das Insulinsignal hin keinen Zucker aus dem Blut aufnehmen.

Noch ist nicht genau geklärt, warum Diabetiker häufiger an Krebs erkranken als Menschen, die nicht von dieser Stoffwechselerkrankung betroffen sind.

Abstract der Studie "Risk of Cancer Following Hospitalization for Type 2 Diabetes"

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »