Ärzte Zeitung online, 21.12.2010

Vollmilch macht‘s: Fettsäure schützt vor Diabetes

BOSTON (ars). Ernährungsexperten raten häufig, statt Vollfett- besser fettreduzierte Milchprodukte zu verzehren. Diese Empfehlung muss eventuell überdacht werden: Denn Vollfettprodukte enthalten reichlich eine Komponente, die einer Studie zufolge mit einem verringerten Diabetes-Risiko einhergeht.

Vollmilch macht‘s: Fettsäure schützt vor Diabetes

Statt Magermilch lieber Vollmilch trinken: Das könnte das Diabetes-Risiko senken.

© anshuca / fotolia.com

Immer wieder haben epidemiologische Untersuchungen ergeben, dass Menschen, die reichlich Milchprodukte konsumieren, seltener an Diabetes erkranken. Bisher war unklar, worauf dieser Effekt beruht. Forscher aus Boston haben nun ein mögliches Bindeglied entdeckt: die trans-Palmitoleinsäure. Diese Fettsäure mit 16 C-Atomen und einer Doppelbindung kommt vor allem in Milch, Käse, Joghurt und Butter vor.

Ihrem gesundheitlichen Nutzen kamen die Wissenschaftler auf die Spur, als sie bei knapp 4000 Teilnehmern über einen Zeitraum von 20 Jahre prospektiv metabolische Parameter im Blut bestimmten, etwa Glukose, Insulin und Fettsäuren, sowie die Neuerkrankungen an Diabetes (Annals of Internal Medicine 2010; 153: 1).

Dabei stellte sich heraus: Je mehr Vollfett-Milchprodukte die Teilnehmer zu sich nahmen, um so höher waren die Blutkonzentrationen an trans-Palmitoleinsäure. Das wiederum war assoziiert mit einer geringeren Rate an Adipositas und Insulinresistenz, mit günstigeren Cholesterinwerten und geringeren Spiegeln des Entzündungsmarkers C-reactives Protein. Vor allem erkrankten Teilnehmer mit viel trans-Palmitoleinsäure im Blut wesentlich seltener an Typ-2-Diabetes: Bei den höchsten Werten (fünfte Quintile) war das Risiko um 60 Prozent geringer als bei den niedrigsten (erste Quintile). Die Daten entsprechen einem fast dreifachen Unterschied, wie die Autoren berichten.

Nach früheren Studien ist die trans-Palmitoleinsäure auch für Herz und Kreislauf günstig: Hohe Werte sind nicht mit einem erhöhten KHK-Risiko verknüpft. Im Gegensatz dazu sind industriell hergestellte trans-Fettsäuren, wie sie in teilweise hydrogenierten pflanzlichen Fetten vorkommen, mit einer erhöhten Inzidenz von Herzkrankheiten verknüpft.

Möglicherweise ahme diese trans-Fettsäure teilweise die Funktion ihres biologischen Gegenstücks nach, der cis-Palmitoleinsäure, schreiben die Forscher. Die cis-Variante kann vom Körper produziert werden und schützte Versuchstiere vor Diabetes. Unglücklicherweise werde ihre Synthese in der modernen Ernährung durch eine hohe Zufuhr an Kohlenhydraten und Kalorien begünstigt, was ihre Schutzwirkung schmälere.

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