Ärzte Zeitung, 01.03.2011

Angst und Depression verhindern oft eine gute Diabeteskontrolle

Jeder zehnte Diabetiker hat schwere erkrankungsbezogene emotionale Belastungen. Die Umsetzung der Therapie, etwa die Behandlung mit Insulin, wird so erschwert.

Angst und Depression verhindern oft eine gute Stoffwechselkontrolle

Psychische Belastungen wie depressive Stimmungen bergen die Gefahr, dass die Patienten ihre Medikamente weniger regelmäßig nehmen.

© Inger Anne Hulbækdal / Fotolia.com

BOCHUM (ple). Was vor allem im angloamerikanischen Sprachraum bereits beobachtet und dokumentiert wurde, darauf weisen jetzt auch die Ergebnisse einer Querschnittsuntersuchung in Deutschland hin, an der fast 700 Patienten in 18 diabetologischen Schwerpunktpraxen teilgenommen haben (Diabetes, Stoffwechsel und Herz 2011; 20 / 1: 7).

29 Prozent waren Typ-1-Diabetiker. In der Untersuchung lag die Prävalenz von Depressionen bei 11 Prozent, die von Angststörungen bei 4,4 Prozent.

Fast 11 Prozent der Patienten hatten diabetesbezogene psychische Belastungen, bestimmt mit Hilfe des psychometrischen Selbstbeurteilungsfragebogens PAID (Problem Areas in Diabetes). Er besteht aus 20 Items, die auf einer Skala von 0 (kein Problem) bis 4 (großes Problem) beantwortet werden.

Die Patienten mit diabetesbezogenen psychischen Belastungen waren im Vergleich zu den übrigen Patienten signifikant jünger, häufiger an Typ-1-Diabetes erkrankt und hatten einen höheren HbA1c-Wert.

Depressionen wurden in der Subgruppe mit einem Anteil von 43,8 versus 6,6 Prozent und Angststörungen mit einem Anteil von 30 versus 4 Prozent wesentlich häufiger beobachtet, als bei den übrigen Patienten, wie Psychotherapeuten und Diabetologen um Dr. Frank Petrak von der Universität Bochum berichten.

Darüber hinaus war bei den Patienten dieser Subgruppe die psychologische Insulinresistenz ausgeprägter: Trotzdem die Patienten sehr positiv gegenüber der Wirksamkeit des Insulins eingestellt waren, hätten sich die stärksten Vorbehalte in Form von Hypoglykämieängsten, der Sorge vor einer Stigmatisierung durch das Spritzen von Insulin sowie der Befürchtung, durch die Insulintherapie überfordert zu werden, gezeigt.

 Angst vor der Injektion selbst hatten nur wenige Patienten.

Allgemein nehmen psychisch belastete Diabetiker nach Studiendaten ihre Medikamente weniger regelmäßig, messen seltener ihren Blutzucker und leben weniger gesund. Ist bei einem Patienten trotz vielfältiger Therapieanpassungen der Blutzucker schlecht eingestellt, sollte an eine unerkannte Depression gedacht werden, betont Dr. Bernhard Kulzer von der Diabetes-Akademie Bad Mergentheim.

Ein erster Schritt für ein verbessertes Management psychischer Störungen bei Diabetes ist es, Patienten regelmäßig auf ihr Befinden anzusprechen. In den Diabetikerpass ist dazu der WHO-5-Fragebogen zum Wohlbefinden integriert.

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