Ärzte Zeitung online, 26.06.2011

Neu entdeckter Typ-2-Diabetes? Erste Therapie ist Ernährungsumstellung!

SAN DIEGO (ob). Bei Patienten mit kürzlich entdecktem Typ-2-Diabetes stehen Änderungen des Lebensstils am Beginn der Behandlung. Vorrangig sollte dabei eine Verbesserung der Ernährungsgewohnheiten angestrebt werden.

Neu entdeckter Typ-2-Diabetes? Erste Therapie ist Ernährungsumstellung!

Gesünder essen - diese Therapie steht an erster Stelle bei der Neudiagnose Typ-2-Diabetes.

© Jacek Chabraszewski / fotolia.com

Eine Steigerung der körperlichen Aktivität als zusätzliche Lebensstil-Änderung scheint dagegen in dieser Phase zumindest zur Verbesserung des Glukosestoffwechsels nicht wesentlich beizutragen.

Zu diesem Ergebnis gelangen britische Forscher in einer jetzt beim Kongress der amerikanischen Diabetes-Gesellschaft (ADA) vorgestellten Vergleichsstudie.

In dieser Studie sind knapp 600 Patienten, bei denen in den vorangegangenen Monaten ein Typ-2-Diabetes diagnostiziert worden war, drei Gruppen zugeteilt worden. Für eine Gruppe war die übliche Betreuung (usual care) inklusive Ernährungsberatung zu Beginn und danach alle sechs Monate vorgesehen.

Eine Gruppe, die intensiver mit dem Thema Ernährungsverhalten konfrontiert wurde, erhielt alle drei Monate eine entsprechende Beratung und einmal pro Monat eine unterstützende Betreuung (zusätzlicher Zeitaufwand: 6,5 Stunden pro Jahr).

In der dritten Gruppe kam zur intensiven Ernährungsberatung noch ein Programm zur Steigerung der körperlichen Belastung hinzu.

In der Kontrollgruppe mit üblicher Versorgung war nach sechs Monaten eine Verschlechterung des Glukosestoffwechsels (HbA1c-Wert) zu verzeichnen.

In der Gruppe mit intensiver Ernährungsberatung wurde dagegen eine signifikante Abnahme des HbA1c-Werts um 0,28 Prozentpunkte beobachtet, die auch nach einem Jahr noch anhielt.

Auch in der Gruppe mit intensiver Ernährungsberatung plus Steigerung der körperlichen Aktivität verbesserte sich der Glukosestoffwechsel in nahezu gleichem Maße (HbA1c-Abnahme um 0,33 Prozentpunkte). Das bedeutet aber, dass die vermehrte körperliche Bewegung keine substanzielle zusätzliche HbA1c-Senkung im Vergleich zur alleinigen Beratung in Ernährungsfragen zur Folge hatte.

Das Forscherteam um Dr. Rob Andrews aus Bristol leitet daraus die Empfehlung ab, dass die Ernährungsberatung in der initialen Behandlung von Patienten mit Typ-2-Diabetes Priorität haben sollte.

Die Studie wurde unmittelbar nach Präsentation beim Kongress im Fachblatt "The Lancet" online veröffentlicht.

[27.06.2011, 21:14:50]
Dr. Dr. Winfried Miller 
Ernährungsumstellung - In welche Richtung?
Was für eine bahnbrechende Erkenntnis!

Wäre interessant zu wissen, wie die Ernährungsberatung ausgesehen hat. Eine Verbesserung des HbA1c in Höhe von 0,28% nach diesem Aufwand als Erfolg zu verkaufen ist schlichtweg dreist!

HbA1c-Reduktionen um bis zu 2% sind möglich, wenn konsequent auf eine low-carb-Ernährung umgestellt wird. zum Beitrag »
[27.06.2011, 18:47:04]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
"Die spinnen, diese Engländer!"
Da wären wir Ärztinnen und Ärzte ohne "The Lancet" online nie von selbst darauf gekommen, dass Typ-2-Diabetes in der Erstmanifestation irgendetwas mit Ernährung zu tun haben könnte. Und dass die Ernährungsberatung integraler Bestandteil der Primärtherapie ist? Dass ein metabolisches Syndrom mit einer Steigerung der körperlichen Aktivität nicht gebessert werden kann, wenn die Betroffenen weiter essen wie die "Scheunendrescher"?

Ich gebe allerdings zu bedenken, dass die hausärztliche Systematik im EBM der deutschen GKV mit der Chronikerziffer 03212 beim Diabetiker eine mindestens zehnminütige Beratung nur 1 X im Quartal vorsieht. Das sind vierzig Minuten im Jahr!

6,5 Stunden pro Jahr zusätzlicher Zeitaufwand bringen dagegen eine durchschnittliche HbA1c-Senkung von 0,28 Prozentpunkten. Wird dies mit Trainingsaktivität kombiniert, wird ein Minus von 0,33 erreicht. Im Detail sieht das allerdings so aus: "mean baseline HbA1c percentage 6•72, ... and at 6 months 6•86, ... but improved in the diet group ... difference in percentage of HbA1c -0•28%, ... p=0•005 and diet plus activity group -0•33%, ... p<0•001. Anders ausgedrückt: Mit Standardtherapie HbA1c-A n s t i e g von plus 0,14 Prozentpunkten in 6 Monaten, in der intensivierten Diätgruppe HbA1c-R e d u k t i o n von minus 0,28 bzw. bei K o m b i n a t i o n von Diät und körperlicher Aktivität V e r b e s s e r u n g um 0,33 HbA1c-Prozentpunkte.

Die Schlussfolgerung der Lancet-Autoren ist äußerst fragwürdig: Intensive Diätschulung p l u s körperliche Aktivität bringt durchschnittlich m e h r HbA1c-Reduktion auf h ö h e r e m Signifikanzniveau!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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