Ärzte Zeitung online, 01.07.2011

Typ-2-Diabetiker bei Hausärzten gut aufgehoben

SAN DIEGO (ob). Auch im hausärztlichen Bereich ist die Behandlung von Patienten mit Typ-2-Diabetes offensichtlich inzwischen von hoher Qualität. Das lässt sich - aber erst auf den zweiten Blick - Ergebnissen einer neuen Studie entnehmen, die auf den ersten Blick enttäuschend erscheinen.

Typ-2-Diabetiker bei Hausärzten gut aufgehoben

Die Hausärzte versorgen die Typ-2-Diabetiker gut. Das lässt sich aus einer Studie schließen.

© Anetta / fotolia.com

In der ADDITION - Studie ging es um die Frage, ob durch eine frühe intensive Therapie bei Typ-2 Diabetes, die auf Veränderung multipler Risikofaktoren zielt, die Häufigkeit von kardiovaskulären Komplikationen (kardiovaskulär bedingte Todesfälle, Herzinfarkte, Schlaganfälle, Revaskularisationen, Amputationen) reduziert werden kann.

342 Hausärzte beteiligten sich an der Studie

Die Ergebnisse der Studie, die zeitgleich im Fachblatt "The Lancet" online publiziert wurde, hat Dr. Torsten Lauritzen aus Aarhus in Dänemark beim Kongress der amerikanischen Diabetes-Gesellschaft ADA in San Diego vorgestellt.

Die 342 beteiligten Hausärzte in Dänemark, Holland und Großbritannien hatten zunächst zur Aufgabe, durch systematisches Screening (Diabetesrisiko-Fragebögen, Blutzuckermessung, oraler Glukosetoleranztest) unter ihren Praxispatienten diejenigen mit bislang unentdecktem Typ-2-Diabetes zu identifizieren.

Beobachtungsdauer betrug fünf Jahre

Die so herausgefilterten Patienten mit Diabetes wurden dann entweder einer Behandlung von Blutzucker, Blutdruck und Blutfetten gemäß den nationalen Leitlinien oder einer intensiveren Therapie, bei der noch bessere HbA1c, Blutdruck- und Cholesterinwerte angestrebt wurden, zugeteilt.

In die nach Standard behandelte Gruppe wurden 1 377 und in die intensiv behandelte Gruppe 1 678 Patienten aufgenommen. Die Beobachtungsdauer betrug im Schnitt etwa fünf Jahre.

In dieser Zeit verbesserte sich das kardiovaskuläre Risikoprofil der Diabetiker mit Blick auf Blutdruck- Lipid- und Blutzuckerwerte in beiden Gruppen - in der Gruppe mit intensiver Therapie noch etwa stärker als in der Kontrollgruppe.

"Hausärzte haben ihren Job besser gemacht als erwartet"

Mit 7,2 Prozent (intensive Therapie) und 8,5 Prozent (Standardtherapie) war allerdings die Inzidenzrate für kardiovaskuläre Ereignisse nicht signifikant unterschiedlich.

Gleiches gilt für die Gesamtsterberate (6,2 versus 6,7 Prozent). Das Studienziel wurde also nicht erreicht.

Das könnte daran gelegen haben, dass die Hausärzte, so Lauritzen,"ihren Job besser als erwartet gemacht haben".

Sie hatten die Leitlinien-Empfehlungen so gut in die Praxis umgesetzt, dass der Zusatznutzen einer intensiveren Therapie relativ marginal blieb.

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