Diabetes

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Modul: Strategien zur Gewichtsreduktion bei Typ-2-Diabetes

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Ärzte Zeitung online, 29.11.2011

Rosskur entfettet Diabetiker-Herzen

Mit der richtigen Diät können schwergewichtige Typ-2-Diabetiker offenbar nicht nur Gewicht verlieren und kurzzeitig von Insulinspritzen loskommen - auch das Herz profitiert, und zwar langfristig: Es speckt im wahrsten Sinne des Wortes ab und pumpt wieder besser.

Rosskur erspart Diabetikern den Pen

Ein Studienteilnehmer zu Beginn der Studie und nach vier Monaten Diät.

© Sebastiaan Hammer, Leiden

CHICAGO (gwa). Vier Monate nur 500 kcal täglich: Eine richtige Rosskur haben schwergewichtige insulinpflichtige Typ-2-Diabetiker in einer Studie mitgemacht. Die Belohnung: Alle haben nicht nur erheblich an Gewicht verloren und brauchten kein Insulin mehr - sondern auch ihr Herz hatte deutlich profitiert. Dieser positive Herzeffekt hielt auch noch an, als die Probanden längst wieder zugenommen hatten.

Immerhin 15 Patienten - sieben Männer und acht Frauen mit einem mittleren BMI von 35,3 - unterzogen sich den harten Bedingungen des Teams um den Radiologen Dr. Sebastiaan Hammer von der Universität Leiden in den Niederlanden.

Diät mit vermindertem Kohlenhydrat-Gehalt

Vor der Diät sowie vier und 14 Monate danach wurde jeder Teilnehmer mittels MRT untersucht. Unter anderem wurde die Herzfunktion untersucht, etwa die Größe des rechten Ventrikels in Systole und Diastole, sowie das perikardiale Fett gemessen.

Bei der Diät handelte es sich um ein kommerzielles standardisiertes Produkt mit vermindertem Kohlenhydrat-Gehalt.

BMI sank im Mittel auf 27,5

Resultate nach den 16 Diätwochen: Der BMI war von im Mittel 35,3 auf 27,5 gesunken, HbA1c war von etwa 8 auf etwa 7 gesunken, und das Fett ums Herz von 39 auf 31 Milliliter reduziert.

Als Parameter für die diastolische Herzfunktion ermittelten die Kollegen um Hammer den E/A-Quotienten mit speziellen MRT-Sequenzen.

E/A-Quotient

Der E/A-Quotient ist ein Maß für die Füllungsgeschwindigkeit und damit für die Herzfunktion mit früher Kammerfüllung in der Diastole (E für early) und später Füllung durch die Vorhofkontraktion (A für atrial). Bei Gesunden liegt der Quotient bei 1 bis 1,5.

Die Studienteilnehmer hatten zu Studienbeginn einen E/A-Quotienten von im Mittel 0,96, nach 16 Diätwochen 1,2, berichtete Hammer beim Radiologenkongress RSNA in Chicago.

Nach 14 Monaten betrug BMI im Schnitt 31,3

14 Monaten nach Diät-Ende wurden die Probanden erneut mit MRT untersucht. Trotz der Anweisung, auf ihr Gewicht zu achten, war ihr BMI nach mehr als einem Jahr wieder auf im Mittel 31,3 gestiegen.

Das Überraschende für die Radiologen war jedoch, dass das perikardiale Fett nur leicht von 31 auf 32 Milliliter zugenommen hatte und dass auch die Herzfunktion mit einem E/A-Quotienten von 1,06 gut geblieben war. Und dass nur vier Probanden wieder insulinpflichtig geworden waren.

Ursachen für geringe Zunahme des perikardialen Fetts ungewiss

Rosskur erspart Diabetikern den Pen

MRT der vier Herzkammern eines Studienteilnehmers mit Markierung des perikardialen Fetts (rot).

© Sebastiaan Hammer,

Warum ausgerechnet das perikardiale Fett trotz des erneuten Gewichtsanstiegs nicht zugenommen hatte, konnte Hammer nicht sagen.

"Wir wissen es nicht. Aber was wir wissen: Das perikardiale Fett unterscheidet sich von subkutanem und Fett im Bauchraum. Unter anderem sind die Fettzellen kleiner und enthalten mehr Protein", so Hammer. Und: Auch perikardiales Fett habe metabolische Effekte.

Begeisterte Wissenschaftler

Das Forscherteam jedenfalls war begeistert: zum einen von den guten Resultaten der recht simplen Lebensstil-Intervention bei dicken Typ-2-Diabetikern, zum anderen vom lang anhaltenden Effekt für die Herzgesundheit.

Vielleicht kann perikardiales Fett auch als ein neuer Parameter für das Risiko von Herzkrankheiten bei Typ-2-Diabetikern genutzt werden, hofft Hammer. Denn Fett ist mit unkomplizierten CT- oder MRT-Scans einfach darstell,- und messbar.

Diät nicht für alle übergewichtigen Diabetiker geeignet

Allerdings: "Eine solche strikte Diät 500 kcal ist nicht für alle übergewichtigen Diabetiker geeignet", betonte Hammer. Vor allem, weil die Diabetiker vom ersten Diättag an auf Insulin verzichten müssen, also unter ärztlicher Kontrolle stehen sollten.

Auf mögliche Compliance-Probleme angesprochen sagte Hammer aber: "Alle Studienteilnehmer haben sich an die Diät gehalten und die Studie beendet. Ein wichtiger Durchhalte-Faktor für die Diabetiker war, dass sie sich nicht mehr Insulin spritzen mussten."

Die Studienteilnehmer waren allesamt Diabetiker, die noch keine kardiovaskulären Ereignisse oder Nierenprobleme hatten.

Neue Studie mit herzkranken Diabetikern geplant

Hammer und sein Team wollen jetzt in einer weiteren Studie auch solche Typ-2-Diabetiker einschließen, die bereits Herzprobleme haben.

Zum einem, weil das für Klinik und Praxis von Bedeutung ist. Und zum zweiten, um zu sehen, ob und welcher positive Einfluss mit einer solchen massiven Kalorieneinschränkung erreichbar ist, wenn schon eine durch Übergewicht und Diabetes-bedingte Herzkrankheit besteht.

In Deutschland sind etwa sieben Millionen Menschen an Diabetes erkrankt, die meisten von ihnen an Diabetes Typ 2.

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