Ärzte Zeitung, 06.04.2012

Naschen vor der Glotze macht krank

Bewegungsmangel und Übergewicht - sie sind die treibenden Faktoren der Diabetes-Epidemie. Aber auch Dauerfernsehen erhöht das Diabetes-Risiko.

Fernsehen macht krank, besonders wenn dabei genascht wird

Beim Dauerfernsehen begünstigen körperliche Inaktivität, Aufregung und hochkalorische Snacks Diabetes und Herz-Kreislauf-Krankheiten.

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MAINZ (eis). Im Mittel mehr als drei Stunden täglich sitzen in Deutschland die 14- bis 49-Jährigen nach Angaben von Media Control vor dem Fernseher, wie Professor Stephan Martin aus Düsseldorf berichtet hat.

Beim Diabetes Update in Mainz hat er mehrere Studien vorgestellt, in denen hoher TV-Konsum als unabhängiger Krankheitsfaktor für Diabetes und Herz-Kreislauf-Krankheiten identifiziert worden ist.

In einer Metaanalyse wurden dabei acht Studien zum hohen TV-Konsum ausgewertet (JAMA 2011; 305: 2448). Darunter beschrieben vier Studien mit knapp 176.000 Probanden das Risiko von Typ-2-Diabetes, vier Studien mit 34.000 Personen das Risiko für tödliche oder nicht-tödliche Herzkreislauf-Erkrankungen und drei Studien mit 27.000 Personen das Sterberisiko.

Ergebnis: Pro zwei Stunden TV-Konsum täglich war das Risiko für Typ-2-Diabetes um 20 Prozent, das Risiko für Herzerkrankungen um 15 Prozent und das Sterberisiko um 13 Prozent erhöht.

Absolut ergaben sich bei täglichem Fernsehkonsum über zwei Stunden pro 100.000 Personen und Jahr 176 zusätzliche Typ-2-Diabetes-Erkrankungen, 38 Fälle von tödlichen Herzerkrankungen und 104 zusätzliche Todesfälle.

Mehr Snacks bei geringer Bildung

Außer der Inaktivität sind Snacks und hochkalorische Getränke beim Fernsehen besonders schädlich.

In einer Studie wurde der Verzehr bei etwa 1300 Jugendlichen (12 bis 17 Jahre alt) aus Belgien, Griechenland, Ungarn und Spanien untersucht, und zwar bei Eltern mit hohem oder mit niedrigem Bildungsgrad (Publ Health Nutr 2011; 14: 1563).

Mehr als zwei Stunden Fernsehen täglich war dabei mit einem deutlich erhöhten Konsum verbunden. Im Vergleich zu Eltern mit hoher Bildung war bei Jugendlichen von Eltern mit niedriger Bildung der Verzehr solcher Snacks um das Dreifache erhöht.

In einer Analyse der Nurses' Health Study war Dauerfernsehen zudem mit einer erhöhten Rate von Depressionen verbunden (Am J Epidemiol 2011; 174: 1017).

Zwischen 1996 und 2006 erkrankten von den knapp 50.000 Probandinnen insgesamt 6505 an Depressionen. Bei hohem TV-Konsum (über 21 Stunden pro Woche) war im Vergleich zu niedrigem TV-Konsum (bis eine Stunde pro Woche) das Depressionsrisiko um 13 Prozent erhöht.

Bei Frauen mit mehr als 90 Minuten Bewegung am Tag ergab sich im Vergleich zu Frauen mit täglich weniger als 10 Minuten Bewegung eine um 20 Prozent verringerte Depressionsrate.

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