Ärzte Zeitung, 26.04.2012

Kommentar

Karamellisierung der Harnwege?

Von Wolfgang Geissel

Das Prinzip der SGLT-2-Inhibitoren hört sich genial an: Die Rückresorption von Blutzucker aus dem Primärharn in den Nieren wird gehemmt.

Auf dieses Weise wird überschüssige Glukose mit dem Urin ausgeschieden und der Blutzucker sinkt. Ganz nebenbei verliert der Patient auch noch Kalorien und wird so beim Abspecken unterstützt.

Skepsis ist jedoch angebracht. Die hervorgerufene chronische Glukosurie könnte langfristig zu Problemen führen. So war etwa die Rate urogenitaler Infektionen in Studien mit dem SGLT2-Hemmer Dapagliflozin erhöht.

Manche Diabetologen meinen, dass dies an einer "Karamellisierung der Harnwege" liegt. Auch gibt es Hinweise auf ein möglicherweise erhöhtes Risiko für Blasen- und Brustkrebs.

Probleme hierdurch wurden in Tierversuchen und bei Menschen mit familiärer Glukosurie zwar nicht gefunden. Diabetiker sind aber möglicherweise besonders anfällig. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat daher - anders als die EMA-Experten in Europa - gegen die Zulassung des Präparats gestimmt.

Gefordert werden weitere Daten zur Sicherheit. Den Diabetikern ist zu wünschen, dass die Skepsis der Amerikaner an dem vielversprechenden Medikament unbegründet ist.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Diabetes-Therapie bald in der Niere?

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hohes Sterberisiko bei Ausbruch in der Adoleszenz

Wenn sich Typ-1-Diabetes in einem besonders vulnerablen Alter manifestiert, brauchen Betroffene viel Aufmerksamkeit. Sie haben ein hohes Risiko, an Komplikationen zu sterben. mehr »

100 Prozent Zustimmung

Die KBV-Vertreterversammlung präsentiert sich in neuer Einigkeit und richtet die Speere – wieder – nach außen. Klare Kante gegenüber dem Gesetzgeber und den Krankenhäusern. "Wir sind auf Kurs", meldete KBV-Chef Gassen. mehr »

Herz-Kreislauf-Risiko von Anfang an im Blick behalten!

Bei RA-Patienten sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die wichtigste Todesursache. Die aktuellen Therapiealgorithmen zielen nicht zuletzt darauf ab, die Steroidexposition zu begrenzen. mehr »