Ärzte Zeitung, 07.05.2012

DDG-Kongress: Bariatrische Chirurgie im Fokus

Mit bariatrischen Operationen kann Diabetikern geholfen werden, ihr Gewicht zu senken. Die Patienten müssen aber sorgfältig ausgewählt werden, denn die Eingriffe sind nicht ungefährlich. Die bariatrische Chirurgie wird daher das zentrale Thema auf dem Diabetes-Kongress sein.

STUTTGART (ob). Bereits jeder fünfte Erwachsene in Deutschland ist stark übergewichtig. Zahlreiche Betroffene haben auch einen Typ-2-Diabetes.

"Die bariatrische Chirurgie ist bei Patienten, deren BMI höher als 35 ist und die unter Typ-2-Diabetes leiden, eine evidenzbasierte und weltweit anerkannte Therapie zur anhaltenden und deutlichen Gewichtsreduktion," sagt Professor Tobias Lohmann aus Dresden.

Der Experte erörtert dieses Thema beim kommenden Diabetes-Kongress, der vom 16. bis 19. Mai 2012 in Stuttgart stattfindet.

Bei einer bariatrischen Operation wird entweder ein Magenband eingesetzt, ein Magenschlauch gebildet oder ein Magenbypass gelegt. Beim "Schlauchmagen" schneidet der Operateur Teile des Magens heraus und legt den oberen Teil des Dünndarms still.

Auch bei einem "Magenbypass" schließt der Chirurg einen Teil des Magens vom Verdauungstrakt aus. Dadurch verkleinert sich der Magen.

Zum anderen verkürzt sich die Magen-Darm-Passage derart, dass der Körper auch weniger Nährstoffe aus der Nahrung aufnimmt. Dabei "scheinen sich der Schlauchmagen und der Magenbypass gegenüber dem Magenband aufgrund größerer Effektivität durchzusetzen," so Lohmann.

Als Operationsfolge kann es zu Depressionen kommen

Operierte verlieren an Gewicht. Und: "Nach einer solchen Operation kommt es bei etwa 80 Prozent der Patienten zu einer Remission des Typ-2-Diabetes", so Lohmann.

Ob diese Remission lebenslang anhält, ist derzeit noch unklar. Auch muss der genaue Mechanismus dieses Effekts noch entschlüsselt werden.

Somit ist noch nicht abzusehen, ob operierte Diabetes-Patienten langfristig besser, komplikationsärmer und länger leben. Abgesehen von Risiken des Eingriffs selbst kann die Operation auch Vitaminmangel der Depressionen mit erhöhter Suizidrate zur Folge haben.

"Voraussetzung für eine erfolgreiche Operation ist die sorgfältige Auswahl der Patienten und die lebenslange Nachbetreuung", betont Lohmann. Operationen sollten nur in interdisziplinären Zentren mit Erfahrung erfolgen.

Dort arbeiten Chirurgen, Internisten, Diabetologen, Psychologen und Ernährungsberater zusammen. Außerdem werden die Patienten dort in Registern erfasst und nachuntersucht.

Quelle: www.springermedizin.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »