Ärzte Zeitung, 11.10.2012

Diabetes Programm Deutschland

"100 Diabetiker bei Köln-Marathon"

Großer Erfolg für das "Diabetes Programm Deutschland": Das Laufsport-Trainingsprogramm für Diabetiker vor dem Köln-Marathon ist auf weitere deutsche Städte ausgedehnt worden. Die Teilnehmer profitieren enorm, sagt der fachärztliche Leiter des Projekts, Dr. Peter Loeff.

Dr. Peter Loeff

"100 Diabetiker bei Köln-Marathon"

© Loeff

Derzeitige Position: Leiter des Diabeteszentrums am Evangelischen Krankenhaus Köln-Weyertal und fachärztlicher Leiter des Diabetes Programms Deutschland

Werdegang: Medizinstudium in Köln, danach Ausbildung zum Internisten am Antonius Krankenhaus Köln. Spezialisierung auf Gastroenterologie und Diabetologie sowie Flugmedizin. Seit 2012 leitender Oberarzt am Evangelischen Krankenhaus Köln-Weyertal.

Ärzte Zeitung: Herr Dr. Loeff, das professionelle Laufprogramm für Diabetiker geht in diesem Jahr in die zweite Runde. Was ist das Einzigartige an diesem Programm?

Dr. Peter Loeff: Das ist die größte Diabetiker-Laufsportbewegung in Deutschland! Wir haben es im vergangenen Jahr mit großer medialer Präsenz geschafft, viele Typ-1- als auch Typ-2-Diabetiker für den Laufsport und für den Köln-Marathon zu begeistern. Sie konnten ihre Gesundheit deutlich verbessern und haben gemerkt: Sport wirkt wie ein Medikament.

Im vergangenen Jahr hatten sich 120 Diabetiker für das sechsmonatige Diabetes Programm Köln angemeldet, 104 haben mit uns kontinuierlich trainiert und sich für den Köln-Marathon angemeldet.

Davon waren dann 84 am Start. In diesem Jahr sind 100 Diabetiker für eine Disziplin beim Köln-Marathon angemeldet.

Ärzte Zeitung: Was passiert während des sechsmonatigen Trainings?

Loeff: Grundvoraussetzung für die Teilnahme ist eine medizinische und sportmedizinische Eingangsuntersuchung inklusive eines ergometrischen Tests. Patienten mit diabetischem Fußsyndrom oder Laserbehandlung bei Retinopathie sind leider nicht für den Laufsport geeignet. Und wer bereits wegen eines Koronarsyndroms interventionell behandelt worden ist, sollte eher in eine Koronarsportgruppe gehen.

Es werden dann kleine, wohnortnahe Diabetes-Laufgruppen von maximal fünfzehn Patienten gebildet, die von zertifizierten und Diabetes-geschulten Lauftrainern der Sporthochschule Köln trainiert werden, meist sind das fortgeschrittene Studenten. Das Training erfolgt adaptiert an die individuelle Fitness und wir schauen, wie sich der Blutzucker unter dem Training entwickelt.

Ärzte Zeitung: Welche Erfahrungen haben Sie beim Training gemacht?

Loeff: Die kommende Teilnahme am Großereignis Köln-Marathon gemeinsam mit vielen anderen Menschen ist eine wichtige Motivation, wenngleich klar ist, dass nur die wenigsten die Marathon-Strecke absolvieren können. Es gibt eine 10-km-Gruppe, Halbmarathon und Marathon.

Einige Typ-2-Diabetiker konnten im Verlauf vollständig auf ihre oralen Antidiabetika verzichten. Bei einem Patienten mit Hypertonie mussten wir den Betablocker absetzen, weil parallel zur Gewichtsabnahme auch der Blutdruck deutlich sank und der Patient bradykard wurde. Auch weitere Patienten konnten ihre Medikation reduzieren.

Ärzte Zeitung: Das Diabetes-Laufprogramm wird in weiteren Städten angeboten. Wie kam das?

Loeff: Der wirklich große Erfolg des Projekts im Jahr 2011, die öffentliche Aufmerksamkeit, die gesundheitlichen und sportlichen Erfolge und auch der Riesenspaß, den alle Beteiligten an der Sache hatten, führte zu der Idee, mehr Menschen einzubeziehen und auch über die Krankenkassen eine noch größere Präsenz zu erreichen.

Daher gibt es inzwischen außer in Köln auch betreute Laufgruppen in Berlin, Düsseldorf, Bonn und Frankfurt am Main, deren Ziel jedoch stets die Teilnahme am Köln-Marathon und nicht an anderen Laufveranstaltungen ist.

Ärzte Zeitung: Wie gewährleisten Sie die Sicherheit der diabeteskranken Läufer?

Loeff: Die Diabetiker müssen sechs Monate trainiert haben. In dieser Zeit kristallisiert sich heraus, auf welcher Strecke die- oder derjenige laufen sollte. Diabetiker, die Insulin spritzen oder Sulfonylharnstoffe nehmen, müssen mindestens einen Glukosewert von 150 mg/dl aufweisen, bevor sie laufen dürfen.

Und am Köln-Marathon-Tag haben wir an der Strecke verteilt mehrere Betreuungsstände, die verpflichtend von den Diabetikern angelaufen werden müssen. Dort wird der Blutzucker kontrolliert, es stehen Ketonteststreifen zur Verfügung ebenso wie Traubenzucker, Getränke und anderes mehr. Es wird registriert, ob und wann der Läufer die jeweiligen Zielpunkte angesteuert hat.

Ärzte Zeitung: Sie hatten im vergangenen Jahr eine Vielzahl von Partnern, Ausrüstern und Förderern mit im Boot. Wie wichtig war das für den Erfolg des Programms und für die Motivation der Teilnehmer?

Loeff: Die Sporthochschule Köln und das Diabeteszentrum in Köln-Weyertal hätten das nie alleine stemmen können. Dafür braucht es personelle und finanzielle Ressourcen. Andere sorgen für die öffentliche Aufmerksamkeit über die Medien, Ausrüster haben die Teilnehmer mit Laufkleidung versorgt. Nur mit einer breiten Unterstützung können wir das Projekt dauerhaft fortführen.

Doch ist es wichtig, dass die Teilnehmer das Ganze nicht umsonst bekommen, sondern für die Teilnahme eine Gebühr zahlen, dieses Jahr 129 Euro. Enthalten sind das sechsmonatige individuelle Training mit zertifiziertem Trainer, Laufbekleidung, Blutzuckermessgeräte und Startgebühren. Natürlich spiegelt das nicht den monetären Wert des Gesamtpakets wider. Der Beitrag ist nur durch die Unterstützung der Partner möglich.

Interview: Thomas Meißner

www.diabetes-programm-deutschland.de

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