Ärzte Zeitung, 14.11.2012

Welt-Diabetestag

Fünf Ziele im Kampf gegen Diabetes

Diabetes-Experten hoffen im Kampf gegen die Volkskrankheit auf einen Nationalen Diabetesplan. Fünf Handlungsfehler müssen ihrer Meinung nach besser aufeinander abgestimmt werden.

Primäre Prävention

Für die Prävention des Typ-2-Diabetes sind sowohl ein "Populationsansatz" (nichtmedizinische Primärprävention) als auch ein "Risikoansatz" (gezielte und individuelle Prävention von Hochrisikopersonen) gleichermaßen wichtig. Ebenso sollte Verhaltensprävention mit Verhältnisprävention eng verzahnt werden.

Ferner sollte Personen, die auf herkömmliche Präventionsmaßnahmen ungenügend ansprechen (non-responder) effizienter geholfen werden. Trotz einer großen Anzahl empirischer Daten zu Effektivität und Effizienz von Maßnahmen zur Prävention des Typ-2-Diabetes, gibt es bisher keine systematischen Ansätze, wie diese in Deutschland umgesetzt werden können: Dies gilt es unbedingt zu verbessern.

Früherkennung Typ-2-Diabetes

Bevölkerungsbasierte Daten weisen darauf hin, dass bei Personen der Altersgruppe 35 bis 74 Jahre auf einen diagnostizierten Diabetesfall nahezu ein unentdeckter Fall kommt. Personen mit einem unentdeckten Diabetes haben ein deutlich erhöhtes Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko. Es sollte daher ein wichtiges Ziel des "Nationalen Diabetesplans" sein, die Früherkennung von Typ-2-Diabetikern zu verbessern.

Aufbau eines Diabetesregisters

Trotz der hohen individuellen und gesellschaftlichen Belastung durch die Erkrankung Diabetes liegen für die deutsche Bevölkerung nur wenige, verlässliche Daten zur Häufigkeit des Diabetes und Praediabetes vor. Diese wären jedoch zur Planung und Steuerung von gezielten Maßnahmen zur Prävention und besseren Versorgung von Menschen mit Diabetes eine unabdingbare Voraussetzung.

Auch fehlen systematische Daten zur Behandlung des Diabetes in Deutschland und deren Ergebnisse. Erforderlich wäre daher der Aufbau eines epidemiologisch-klinischen Diabetesregisters. Dieses sollte dann auch zur Darstellung der diabetologischen Versorgungsqualität beitragen.

Versorgungsforschung

Trotz erster guter Ansätze gibt es in Deutschland massive Defizite der diabetologischen Versorgungsforschung. Diese stellt jedoch eine wichtige Voraussetzung für die Verbesserung der Versorgung und Etablierung von effektiven Qualitätssicherungsmaßnahmen dar.

Für die Sicherstellung einer effektiven diabetologischen Versorgung sind zudem neue, sektorenübergreifende Versorgungsstrukturen zwischen den ambulanten und stationären Leistungsanbietern zu entwickeln und zu erproben. Der Aufbau von Maßnahmen zur vergleichenden Qualitätssicherung erlaubt es Patienten, Ärzten und Krankenkassen zudem, Unterschiede in der Qualität der Versorgung zu erkennen und Verbesserungen einzuleiten.

Patienteninformation

Auch die Stärkung der Rolle der Patienten ist ein wichtiges Handlungsfeld für eine verbesserte Versorgungssituation, da der Patient bei der Therapie eine Schlüsselrolle spielt. Hierbei ist das Angebot einer strukturierten Schulung von Patienten wichtig. Derzeit ist der Anteil nicht geschulter Patienten trotz verbesserter Rahmenbedingungen durch die DMP-Programme noch immer hoch. (eb)

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