Donnerstag, 2. Oktober 2014
Ärzte Zeitung, 16.01.2013

diabetesDE

Kritik an IQWiG-Urteil zu Linagliptin

diabetesDE und ihre Mitgliedsorganisationen sehen für Linagliptin klare Vorteile gegenüber vergleichbaren Medikamenten.

BERLIN. In einer Stellungnahme widersprechen die Organisationen jetzt der erneuten Nutzenbewertung durch das IQWiG. Dessen Urteil besage, dass Linagliptin keinen Zusatznutzen bietet.

Laut diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe ist das Medikament sehr therapiesicher und weise ein geringes Risiko auf, dass Patienten - womöglich lebensbedrohlich - unterzuckern. Sollte sich der G-BA dem IQWiG-Entscheid anschließen, wäre eine Kostenerstattung für das Medikament vom Tisch, schreibt diabetesDE.

Dies bedeutete voraussichtlich das Aus für Präparate dieser Klasse, die DPP4-Hemmer. Davon wären rund 650 000 Patienten in Deutschland betroffen.

"Heute behandeln Ärzte mit den DPP4-Hemmern mehr als eine halbe Million Patienten in Deutschland, damit diese sicherer und unbeschwerter mit Diabetes leben können", wird Professor Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE zitiert.

Die Bewertung des IQWiG sei nicht nachvollziehbar, kritisiert diabetesDE mit seinen Mitgliedsorganisationen Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe (VDBD) und Deutsche Diabetes-Hilfe - Menschen mit Diabetes (DDH-M).

Denn die Therapie mit den weit verbreiten Sulfonylharnstoffen oder Insulin birgt die Gefahr von Unterzuckerungen. "Aus unserer Sicht sind Hypoglykämien gefährliche und potenziell tödliche Behandlungszwischenfälle", führt Danne aus.

Bei schwerem Verlauf fügen Sie dem Patienten erhebliches Leid zu. Zudem ziehen sie vermeidbare Behandlungskosten nach sich. "Viele Patienten brechen nach einer Hypo sogar die Therapie ab, weil sie das Vertrauen darin verlieren", so der Diabetologe.

Dass DPP4-Hemmer das Risiko mindern, belegen Vergleichsstudien. Einen Zusatznutzen sehen die Experten auch im Schutz für das Herz-Kreislaufsystem. Zudem sei Linagliptin leicht dosierbar und damit noch sicherer: Eingenommen wird eine Standarddosis.

DPP4-Hemmer sind europaweit verbreitet. "Ein Rückzug vom deutschen Markt würde uns Ärzte zwingen, auf andere Therapieformen auszuweichen", wird Danne zitiert.

Dies gefährde Patienten, vor allem ältere und nierenkranke aber auch berufstätige - sei es im Straßenverkehr, beim Bedienen von Maschinen oder in Aufsichtsfunktionen.

Hier könne eine durch Unterzucker verursachte Schwäche nicht nur das Leben des Betroffenen in Gefahr bringen, erinnert diabetesDE. (eb)

|

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Notfall bei Hausgeburt nicht erkannt: Haftstrafe für Ärztin

Bei einer Hausgeburt in einem Hotel in Unna kommt ein totes Mädchen zur Welt. Jetzt schicken Richter die Ärztin, die damals die Geburt begleitet hat, für mehrere Jahre hinter Gitter - und verhängen ein lebenslanges Berufsverbot. mehr »

Vorbereitungen laufen: Frankfurter Uniklinik soll Ebola-Infizierten behandeln

Das Universitätsklinikum Frankfurt soll einen Ebola-Infizierten behandeln. Nach Medienberichten handelt es sich um einen Kinderarzt, der sich beim Hilfseinsatz in Afrika infiziert hat. mehr »

US-Klinik: Ebola-Infektion zunächst nicht erkannt

Die Ebola-Infektion bei dem Erkrankten in den USA hätte wohl viel früher diagnostiziert werden können. Mitarbeiter einer Klinik in Dallas erkannten die ersten Symptome offenbar nicht - und schickten den Mann nach Hause. Laut CDC kam der Infizierte mit 18 Menschen in Kontakt, darunter befinden sich Kinder. mehr »