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Ärzte Zeitung, 29.08.2013

Diabetes

DNA-Variante beeinflusst Risiko und Therapieerfolg

Die Erkenntnisse eines europäischen Konsortiums mit deutscher Beteiligung bieten neue Ansatzpunkte zur individualisierten Diabetesprävention und -behandlung.

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DNA-Strang: Eine DNA-Variante bedingt, dass nach einer Mahlzeit mehr Insulin ausgeschüttet wird als gewöhnlich.

© lovebeer / fotolia.com

NEUHERBERG. Eine DNA-Variante in räumlicher Nähe zu einem Verdauungsenzym hat nicht nur Einfluss auf das Risiko, an Diabetes zu erkranken, sondern auch auf das Ansprechen auf die medikamentöse Behandlung.

Diese Ergebnisse veröffentlichte ein europäisches Konsortium mit deutscher Beteiligung in "Diabetes" (2013; online 14. Mai). Die Erkenntnisse der Forscher bieten neue Ansatzpunkte zur individualisierten Diabetesprävention und -behandlung, hat das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung in Neuherberg mitgeteilt.

Das Verdauungsenzym Chymotrypsin spaltet Proteine in der Nahrung in kleinere Fragmente auf, die vom Darm aufgenommen werden können. 20 Prozent der Bevölkerung sind Träger einer DNA-Variante, die sich in der Nähe der Chymotrypsin-Gene befindet und die Aktivität des Enzyms verstärkt.

Grund für geringeres Diabetesrisiko?

Die Ergebnisse des europäischen Gemeinschaftsprojekt zeigten, dass gesunde Probanden mit dieser DNA-Variante nach einer Mahlzeit eine bis zu 40 Prozent höhere Insulinausschüttung hatten - eine wahrscheinliche Erklärung dafür, warum sie ein vermindertes Risiko haben, Typ-2Diabetes zu entwickeln.

"Es war bereits bekannt, dass Menschen mit dieser Variante ein geringeres Risiko haben, Diabetes Typ 2 zu entwickeln", werden die Wissenschaftler Dr. Leen 't Hart von der Universitätsklinik Leiden in den Niederlanden und Professor Andreas Fritsche vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung und der Universität Tübingen zitiert. "Aber in unserer Studie konnten wir zeigen, warum das so ist."

Eine Funktion des vom Darm als Reaktion auf eine Mahlzeit produzierten Hormones GLP-1 (Glucagon-like peptide-1) ist bekanntlich, die Insulinsekretion der Bauchspeicheldrüse zu stimulieren, so dass die erhöhten Blutzuckerwerte nach einer Mahlzeit schnell zu den Normalwerten zurückkehren.

Ziel: individualisierte Therapie

Außerdem ergab die Studie, dass Patienten mit dieser DNA-Variante schlechter auf eine Behandlung mit DPP4-Inhibitoren ansprechen, die ja die Funktion von GLP-1 verbessern.

Noch wisse man nicht, wie die DNA-Variante das Ansprechen auf diese Medikamente beeinflusst, so das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung. Aber die Forscher erklärten, das könnte eine Folge der beobachteten verstärkten Aktivität von Chymotrypsin im Darm sein.

Das wird Gegenstand künftiger Studien mit dem Ziel einer individualisierten Diabetesbehandlung sein, die spezifische Therapiemethoden bei einzelnen Patienten nach deren genetischen Merkmalen ausrichtet. (eb)

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