Ärzte Zeitung online, 07.10.2013

Nierenschutz

Vitaminbomben nützen Typ-2-Diabetikern

Je gesünder sich Typ-2-Diabetiker in einer US-Studie ernährten, desto geringer war ihr Risiko für die Nieren. Als schützend erwiesen sich eine Kost mit viel Obst und Blattgemüse sowie moderater Alkoholkonsum.

Von Christine Starostzik

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Gemüse ist mein Fleisch - Rezept für ein langes Leben.

© iStockphoto / Thinkstock, Shutterstock

WIEN. Den Einfluss der Ernährung auf die Häufigkeit und Progression chronischer Niereninsuffizienz (CKD) bei Typ-2-Diabetikern haben Rainer Oberbauer und Kollegen von der Universität Wien in der ONTARGET-Studie* untersucht (JAMA Intern Med 2013, online 12. August).

Hierzu wurden Typ-2-Diabetiker ohne Makroalbuminurie zu Studienbeginn fünfeinhalb Jahre beobachtet. Die Qualität der Ernährung wurde mit dem modifizierten Alternate Healthy Eating Index (mAHEI) erfasst (je höher der Score, desto gesünder die Ernährungsweise).

Während der Studie entwickelten 31,7 Prozent der Teilnehmer eine chronische Niereninsuffizienz oder eine Verschlechterung der bereits bestehenden Erkrankung. 8,3 Prozent der Patienten starben.

Bei 10,9 Prozent der Probanden trat erstmals eine Mikroalbuminurie, bei 4,8 Prozent eine Makroalbuminurie auf. Bei 20,4 Prozent sank die GFR um mehr als 5 Prozent pro Jahr, und 0,5 Prozent der Typ-2-Diabetiker entwickelten eine terminale Niereninsuffizienz.

Der Ernährungsscore mAHEI variierte bei den Probanden zwischen 9,8 und 66,2, ließ aber einen nahezu linearen Zusammenhang zum CKD-Risiko erkennen.

Verglichen mit Diabetikern des untersten Terzils des mAHEI-Scores ergab sich für Teilnehmer im obersten Terzil, also für diejenigen, die sich am gesündesten ernährten, für das CKD-Risiko eine adjustierte Odds Ratio (OR) von 0,74. Das Mortalitätsrisiko lag im obersten Terzil um 39 Prozent niedriger als im untersten.

Schon viemal Gemüse pro Woche nützt

Vorteile zeigten sich vor allem für Diabetiker, die Wert auf vitaminreiche Ernährung legten. So konnte der häufige Genuss von Früchten und Fruchtsäften das CKD-Risiko im obersten Terzil gegenüber dem untersten um 9 Prozent und das Mortalitätsrisiko um 18 Prozent senken.

Der Effekt war bereits ab vier Fruchtportionen bzw. sechs Gemüsegerichten pro Woche erkennbar, allerdings nur für grünes Blattgemüse, nicht für rohes oder gekochtes Gemüse. Möglicherweise, so die Autoren, sei dies dem hohen Kaliumgehalt dieser Gemüsesorten zuzurechnen.

Beim Alkohol ergab sich je nach Menge ein J-förmiger Zusammenhang. Der moderate Alkoholkonsum (5 Drinks/Woche) erwies sich im Vergleich zur Abstinenz sowohl als vorteilhaft für die Entwicklung und Progression einer Niereninsuffizienz (OR 0,75) als auch für die Mortalität der Diabetespatienten (OR 0,69).

Anders als in einigen früheren Studien zeigte sich für die proteinreiche Ernährung ein geringer, zum Teil signifikanter Vorteil. Eine an tierischem Protein arme Kost war sowohl mit einem erhöhten CKD- als auch einem höheren Mortalitätsrisiko verbunden.

Während ein 24-h-Kalium-Wert im Urin von über 2,13 g mit einem reduzierten CKD-Risiko in Zusammenhang stand, hatte die Natriumausscheidung keine Auswirkungen auf die Niere.

Allerdings waren sowohl ein Natrium unter 3 g/d im Urin als auch ein Wert über 7 g/d mit einer erhöhten Sterblichkeit assoziiert.

Fazit der Autoren

Die Autoren stellen folgende Rechnung auf: Falls sich die Ergebnisse der Beobachtungsstudie als kausal bestätigen, würden von 1000 Typ-2-Diabetikern mit Gefäßerkrankungen, die sich gesund ernähren, innerhalb von fünf Jahren 131 eine chronische Niereninsuffizienz entwickeln oder die Verschlechterung einer bestehenden CKD erfahren.

Unter denen mit ungesunder Kost wären dies 151. Auch wenn die Studie keine Anhaltspunkte dafür liefert, dass eine niedrige Protein- oder Natriumzufuhr das Risiko für die Niere verringert, so die Autoren, sollte Diabetikern dennoch weiterhin von einer übermäßige Protein- und Kochsalzaufnahme abgeraten werden.

* "Ongoing Telmisartan Alone and in Combination With Ramipril Global Endpoint Trial"

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