Ärzte Zeitung online, 06.11.2013

Lieber Obst essen

Fruchtsäfte erhöhen Diabetes-Gefahr

Wer Heidelbeeren, Trauben und Äpfel regelmäßig isst, verringert damit offenbar das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Bei Fruchtsäften ist eher das Gegenteil der Fall.

Fruchtsäfte erhöhen Diabetes-Gefahr

Für das Diabetes-Risiko ist es offenbar ein Unterschied, ob man Obst isst oder es in Form von Fruchtsäften zu sich nimmt.

© Irina Ukrainets / fotolia.com

BOSTON. Wie ist die Ernährung mit dem Diabetes-Risiko verbunden? Neue Daten dazu hat eine Analyse der Nurses'-Health-Studien (NHS) (1984 bis 2008 und 1991 bis 2009) sowie der Professionals-Follow-up-Studie (1986 bis 2008) ergeben.

Teilnehmer waren mehr als 150.000 gesunde Frauen und 36.000 gesunde Männer (BMJ 2013, online 28. August). Die Teilnehmer mussten alle zwei Jahre einen Fragebogen unter anderem zur Ernährung und zu chronischen Krankheiten ausfüllen.

Die erste Version enthielt Fragen zu knapp 190 Items. Später wurde sie um mehrere Fragen zur Ernährung erweitert und ab 1986 alle vier Jahre verschickt. Von fast 90% der Teilnehmer gab es regelmäßig Rückläufer.

Heidelbeeren senken Diabetes-Risiko

Binnen 3,5 Millionen Personenjahren entwickelten 12.198 Teilnehmer (6,5 Prozent) Typ-2-Diabetes. Wer nach eigenen Angaben wenigstens dreimal pro Woche Blaubeeren, Trauben oder Äpfel aß, hatte ein geringeres Diabetesrisiko als Teilnehmer, die weniger als eine Portion des Obstes monatlich verzehrten.

Andere Lebensstil- und Diabetesrisikofaktoren wurden herausgerechnet. Für häufigen Verzehr von Heidelbeeren ergab sich eine Hazard Ratio (HR) von 0,74. Das relative Risiko für Typ-2-Diabetes war also im Vergleich um 26 Prozent verringert.

Bei häufigem Traubenverzehr ergab sich ein HR von 0,88 und bei Apfel-Verzehr von 0,93. Betrachteten die Wissenschaftler den Verzehr von Obst allgemein, errechneten sie einen HR-Wert von 0,98 - was einer kaum merklichen Reduktion des Diabetesrisikos entspricht.

Im Gegensatz dazu war das Typ-2-Diabetes-Risiko bei jenen Teilnehmern sogar leicht erhöht, die gleich häufig statt Obst zu essen Fruchtsäfte tranken (HR 1,08).

Schutz-Effekt durch Resveratrol

Vor allem Anthocyane in Heidelbeeren, Äpfeln und Trauben könnten nach Ansicht der Wissenschaftler einen Schutz-Effekt vor Diabetes hervorrufen.

Zumindest im Tierversuch steuerten diese sekundären Pflanzenstoffe der Diabetesprogression gegen.

Eine weitere Substanz im Fokus der Forscher ist Resveratrol, das in der Schale von grünen und roten Traubenarten reichlich vorhanden ist. Bei Mäusen erhöht die Substanz die Insulinsensitivität. (ple)

[06.11.2013, 13:22:11]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Auch der Diabetiker ist nicht nur, was er isst
Grob irreführend und täuschend behauptet die Publikation von Isao Muraki et al. "Fruit consumption and risk of type 2 diabetes: results from three prospective longitudinal cohort studies" (BMJ 2013;347:f5001) eine p r o s p e k t i v e Kohorten-Studie im Longitudinalverlauf zu sein.

Auch die gigantisch-diversifizierte Studienpopulation mit 187.882 Teilnehmern/-innen,, die zu Beginn keine chronischen Krankheiten aufwiesen, ["Participants 66?105 women from the Nurses’ Health Study (1984-2008), 85?104 women from the Nurses’ Health Study II (1991-2009), and 36?173 men from the Health Professionals Follow-up Study (1986-2008)"] kann n i c h t darüber hinwegtäuschen: Hier wurde ausschließlich r e t r o s p e k t i v alle 2 Jahre mittels Fragebögen nach b i s h e r i g e m Ernährungs-, Konsum- und Krankheitsverhalten gefragt ["Every two years since baseline, follow-up questionnaires have been mailed to the participants to collect and update information on lifestyle practices and occurrence of chronic diseases"]. Niemand kann mit noch so ausgeklügelten Fragebögen prospektiv detektieren, was gegessen und getrunken w i r d - der Titel "Health Professionals F o l l o w – u p Study" belegt diese Problematik.

Eine echte, prospektiv-randomisierte Studie mit validen Ergebnissen und belastbaren Schlussfolgerungen müsste den Teilnehmern in 2 vergleichbaren Behandlungsarmen entweder die hier untersuchten Obstsorten verabreichen oder dieselben in Saftform 'einflößen'. Ein Placebo-Arm könnte sich im direkten Vergleich die Obstsorten nur auf Farbtafeln anschauen, dürfte sie aber nicht konsumieren.

Dass Anthocyane in Heidelbeeren, Äpfeln, Trauben und speziell Resveratrol in (zubereiteten) Weintrauben (French Paradoxon bei Weinkonsum, KHK und ACS) einen Schutz-Effekt vor Diabetes haben können, will ich gar nicht bestreiten. Da gibt es eine Fülle von Studien; auch zur mediterran orientierten Ernährung liegen epidemiologische Fakten vor. Aber h i e r, bei Hazard Ratios (HR) von 0,74 Heidelbeer- bis 1,08 Fruchtsaftkonsum oder dem Effekt von allgemeinem Obstverzehr mit einen HR-Wert von 0,98 machen sich die Wissenschaftler nur lächerlich! 0,98 HR ist weder Schutz noch Risiko für metabolisches Syndrom, Typ-2-Diabetes und Folgekrankheiten. Denn rein wissenschaftlich ist das so gut oder so schlecht wie gar kein Ergebnis, wenn man's genau nimmt.

Die Autoren der hier in der Ärzte Zeitung sehr gut referierten Studie unterliegen einer kollektiven Fehlannahme ("bias"). Wer verschiedene Obstsorten nicht nur als "Smoothies" kennt und unterscheiden kann, diese auf den Einkaufszettel schreibt und diesen nicht vergisst, daran denkt sie einzukaufen, nach Hause trägt, wäscht und Angestoßenes aussortiert; wer sie dann noch zupft, pellt, schält, schneidet und serviert, um die Obststücke genüsslich in den Mund zu schieben und zu verdauen, der kann einfach im statistischen Mittel nur ein geringeres Diabetesrisiko haben, wenn er sich in anderen Lebenssituationen ebenso bewusst verhält.

Wer aber morgens den Grapefruit- oder Orangensaft glasweise in sich hineinstürzt und glaubt, in der morgendlichen 'Rush Hour' damit etwas Gutes für seine Gesunderhaltung und Diabetesprävention getan zu haben. Aber zum Lunch und Dinner in 'all-you-can-eat'-Manier am Büffet zuschlägt und sich zur Nacht noch 1 Glas (kalorienreichen) Apfelsaft gönnt, der hat selbst o h n e Rauchen, Übergewicht, Hypertonie, Bewegungsmangel, KHK und Nephropathie ein erhöhtes Typ-2-Diabetes-Risiko.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »
[06.11.2013, 08:11:12]
Steffen Jurisch 
Warum Tierversuche?
Da kann man doch wieder einmal nur den Kopf schütteln - warum nehmen Wissenschaftler nicht mal Kollegen um Versuche an denen durchzuführen? Es gibt doch genug von dieser Gattung - vor allem von Nichtsnutzigen!
Es bedarf keinerlei Versuche um heraus zu finden, dass ein Nahrungsmittel nur in seiner Gänze auch gut für die Ernährung des Menschen ist. Jedes Nahrungsmittel das durch Extraktion hergestellt wird ist, auf lange Sicht gesehen, noch niemals gesundheitserhaltend oder fördernd gewesen. Das pfeifen die Spatzen von den Dächern - wo es sie noch gibt, ich meine die Spatzen.
Auszugsmehl, raffinierter Zucker, polierter Reis etc. und genau so verhält es sich mit den Fruchtsäften, zumal bei vielen auch noch Zucker zugesetzt wird.
Für solche Art von "Forschung" sollten wir nun wirklich kein Geld mehr zum Fenster hinaus werfen, es sei denn, vor demselben stehen Menschen die Hunger leiden und das Geld gut gebrauchen könnten.
Stopt Tierversuche, sofort! zum Beitrag »

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