Ärzte Zeitung, 03.12.2013

Typ-2-Diabetes

Gute Effekte durch Blutzuckerselbstmessung

Typ-2-Diabetiker profitieren davon, wenn man ihnen Tipps zur Umstellung auf eine gesunde Lebensweise gibt - und sie zusätzlich anleitet, den Blutzucker selbst zu messen. In einer Studie hat das zu einer besseren Blutzuckerkontrolle und Gewichtsverlust geführt.

Von Thomas Meißner

Gute Effekte durch Blutzuckerselbstmessung

Es ist wichtig, Patienten zu beraten, wie sie die Blutzuckerselbstmessung anwenden sollen.

© stefanolunardi / shutterstock

Die Integration der Blutzuckerselbstmessung in ein einfaches Lebensstil-Interventionsprogramm hat bei Typ-2-Diabetikern langfristig die Blutzuckerkontrolle verbessert und zu Gewichtsreduktion geführt.

Insgesamt 124 lediglich mit Metformin oder gar nicht medikamentös behandelte Typ-2-Diabetiker hatten in der ROSSO-in-praxi-international-Studie ein Manual erhalten mit Anleitungen zu einer gesunden Ernährung, körperlicher Aktivität und zur Vermeidung von Hypoglykämien.

Die Hälfte von ihnen erhielt zusätzlich ein Messgerät zur Blutzuckerselbstmessung (BZSM) mit persönlichen Anleitungen zur Benutzung desselben, die andere Hälfte der Studienteilnehmer hatte keinen Zugang zur BZSM.

Die Teilnehmer in der BZSM-Gruppe haben innerhalb von zwölf Wochen mehrere Tagesprofile erstellt sowie ereignisbezogen gemessen, etwa nach dem Essen von Schokolade oder nach körperlicher Aktivität.

Die Patienten sollten daraus und mit Hilfe des Manuals ihre eigenen Schlussfolgerungen ziehen, jedoch keine Veränderungen der antidiabetischen Medikation vornehmen.

HbA1c-Wert sank signifikant

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Nach zwölf Wochen war der HbA1c-Wert in der Gruppe mit BZSM von anfangs durchschnittlich 7,4 Prozent signifikant auf 6,9 Prozent gesunken.

Auch das Körpergewicht war in dieser Gruppe gesunken, und zwar um durchschnittlich ein knappes Kilogramm. In der Kontrollgruppe hatte sich dagegen kaum etwas getan.

Nach anderthalb Jahren waren fast alle Studienteilnehmer erneut untersucht worden. In der Kontrollgruppe hatte sich der HbA1c verschlechtert, während er in der BZSM-Gruppe stabil bei 6,9 Prozent geblieben war. Im Vergleich zum Studienstart war das Körpergewicht im Durchschnitt um 1,6 Kilogramm gesunken.

Bei denjenigen, die mehr als dreimal wöchentlich gemessen hatten, war der HbA1c nach anderthalb Jahren um durchschnittlich einen Prozentpunkt gesunken.

Diese Ergebnisse bestätigten die Resultate eines entsprechenden Pilotprojekts bei 327 Typ-2-Diabetikern, schreiben Dr. Kerstin Kempf vom Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrum (WDGZ) des Verbundes der Katholischen Kliniken Düsseldorf und ihre Kollegen in "Diabetes Technology & Therapeutics" (2013; 15: 89).

Das Versorgungskonzept beruht auf Ergebnissen der im Jahre 2006 publizierten ROSSO-Studie, in der retrospektiv eine signifikante Korrelation zwischen der Nutzung der BZSM sowie tödlichen und nichttödlichen Ereignissen bei Typ-2-Diabetikern gefunden worden waren (Diabetologia 2006; 49: 271).

Die Autoren verweisen außerdem auf eine Metaanalyse von zwölf Studien mit fast 3000 Patienten, die ebenfalls einen Nutzen der BZSM in Bezug auf die Blutzuckereinstellung ergeben hatte (Curr Med Res Opin 2009; 25: 2903).

Änderung des Lebensstils

"Die Blutzuckerselbstmessung per se ist eine diagnostische Maßnahme und keine Intervention", betonen Kempf und ihre Kollegen. "Die eigentliche Intervention ist die Änderung des Lebensstils."

Es sei wichtig, die Patienten zu beraten, wie sie die BZSM anwenden sollen, um ihre Ernährung und körperliche Aktivität umstellen zu können.

Die Effekte der Lebensstilintervention müssten außerdem vor dem Hintergrund einer sich üblicherweise mit der Zeit verschlechternden Blutzuckerkontrolle bei Typ-2-Diabetikern gesehen werden.

Im Durchschnitt steigen bei konventionell behandelten Patienten der HbA1c-Wert alle zwei Jahre um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte, wie sowohl die UKPDS-Studie vor 15 Jahren als auch die Resultate in der Kontrollgruppe in der aktuellen Studie ergeben haben - ein klarer Kontrast zur Verbesserung um 1,5 Prozentpunkte in der ROSSO-in-praxi-international-Studie.

Die besonders guten Effekte bei jenen Teilnehmern, die mehr als dreimal wöchentlich ihren Blutzucker gemessen hatten, verdeutlichen den Zusammenhang zwischen ihrer Ernährung und körperlichen Aktivität sowie ihren Blutzuckerspiegeln.

Diese Patienten waren in der Lage, langfristig einen erheblichen Nutzen aus der regelmäßigen Blutzuckerselbstmessung zu ziehen.

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