Ärzte Zeitung online, 02.06.2014

Diabetes

Ein neues Molekül gegen die Nephropathie?

Für Patienten mit diabetischer Nephropathie könnte es in Zukunft womöglich einen neuen Wirkstoff geben. Der wirkt sogar noch nach der Therapie - und lässt den Blutdruck in "Ruhe".

AMSTERDAM. Ein neuer Wirkstoff könnte in Zukunft die Therapie bei der diabetischen Nephropathie bereichern. In einer Phase-IIa-Studie hat sich Emapticap pegol jetzt zumindest bewährt.

Erste Daten wurden am Sonntagmorgen bei der 51. Jahrestagung der europäischen Nephrologengesellschaft ERA-EDTA in Amsterdam vorgestellt. Allerdings: Beweisen muss sich das Molekül noch im Langzeiteinsatz und bei harten klinischen Endpunkten.

Emapticap pegol, vom Hersteller Noxxon auch NOX-E36 genannt, ist ein CCL2-Hemmer. Das Zytokin CCL2 spielt eine wichtige Rolle bei der Infiltration von Entzündungsherden mit Monozyten.

Das war für die Forscher der entscheidende Ansatzpunkt, denn die Niereninsuffizienz wird beim Diabetes unter anderem auch durch kontinuierliche Entzündungsprozesse hervorgerufen.

Wie Professor Hermann Haller von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) in Amsterdam sagte, sorgt unter anderem das "diabetische Milieu" in der Niere dafür, das kontinuierlich Makrophagen stimuliert werden.

Dadurch kommt es zur massiven Infiltration in die Glomeruli, wodurch diese zunehmend an der Basalmembran geschädigt werden. Die Folge: die Durchlässigkeit wird immer unselektiver. Anfangs macht sich das im klinischen Bild einer Albuminurie deutlich, später als Makroalbuminurie und Proteinurie.

Studie mit 75 Typ-2-Diabetiker mit Albuminurie

Emapticap pegol soll diese Entzündungskaskade und damit den Glomeruli-Niedergang stoppen. In einer randomisierten, plazebokontrollierten, doppelblinden und multizentrischen Phase-IIa-Studie als "Proof of Concept" hatten die Forscher um Haller 75 Typ-2-Diabetiker mit Albuminurie rekrutiert.

Die Patienten mussten eine stabil eingestellte Diabetes-Therapie haben sowie eine Therapie mit einem RAS-Blocker. Als Nachweis der Albuminurie musste die Albumin-Kreatinin-Ratio (ACR) über 100 mg/g liegen. Die geschätzte GFR musste über 25 liegen, und der HbA1c im Bereich von 6 bis 10,5 Prozent.

50 Patienten wurden in die Verumgruppe eingeschlossen, die drei Monate lange zweimal pro Woche Emapticap pegol s.c. in der Dosierung von 0,5 mg/kg Körpergewicht erhielt. Die anderen 25 Patienten dienten als Placebogruppe.

Für die primäre Wirksamkeitsanalyse wurden später einige Patienten ausgeschlossen, unter anderem wegen Verletzungen des Studienprotokolls oder doppelter statt einfacher RAS-Blockade. Übrig blieben 33 Verum- und 16 Placeboprobanden.

Anfangs der zwölf Wochen veränderte sich bei den Patienten in der Emapticap-Gruppe zunächst nur wenig. Doch zum Ende hin wurde ein Effekt deutlich: Nach 85 Tagen, als die Therapie gestoppt wurde, war die ACR in der Verumgruppe im Vergleich zu Placebo 32 Prozent geringer - ein Indikator für eine deutlich reduzierte Albuminurie.

Zwei Monate später - die Therapie war seit acht Wochen eingestellt - war der Unterschied mit minus 39 Prozent sogar noch deutlicher.

Positive Veränderung des HbA1c-Wertes

Und auch der HbA1c veränderte sich unter Emapticap pegol positiv: Im Vergleich zur Placebogruppe sank er um fünf Prozent (-0,32 Prozentpunkte absolut) zum Therapieende und lag einen Monat später sogar um insgesamt sieben Prozent signifikant niedriger.

Unterschiede beim Blutdruck oder der eGFR gab es keine, was auf den selektiven Wirkmechanismus des Moleküls hinweisen könnte.

Wenngleich Emapticap pegol sich noch in großen Interventions- und Vergleichsstudien behaupten muss, könnte der selektive Ansatz erfolgversprechend sein. Denn anders als andere renoprotektive Wirkstoffe wie ACE-Hemmer oder AT-II-Antagonisten hat der neue Wirkstoff offenbar keine hämodynamischen Effekte.

Fraglich ist allerdings auch noch, wie lange der klinische Effekt nach dem Absetzen der Therapie anhält, und wie es um harte Endpunkte steht. (nös)

[02.06.2014, 07:58:28]
Dr. Hartwig Raeder 
Einheit ml/min
Bei der geschätzten GFR von 25 fehlt die Einheit ml/min. Außerdem fehlt der Hinweis, ob es sich bei der GFR = 25 ml/min um eine normierte oder um eine nicht normierte Grenze handelt. Wurde also die Formel GFR(1.73 m²/BSA) angewendet oder nicht? Diese Frage muss regelmäßig bei allen Patienten mit einer von 1,73 Quadratmetern abweichenden Körperoberfläche zwingend beantwortet werden. zum Beitrag »

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