Ärzte Zeitung, 25.08.2014

Diabetes

Salziges Essen nährt Komplikationen

Typ-2-Diabetiker, die sich salzreich ernähren, haben ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen. Das gilt insbesondere für Patienten mit schlecht eingestelltem Blutzucker.

NIIGATA. Besonders auch Diabetikern wird empfohlen, den Kochsalzkonsum niedrig zu halten. Die Evidenz dafür stammt jedoch fast ausschließlich aus Studien ohne Diabetiker. Nun liegt erstmals eine Studie vor, die einen Nutzen der Salzrestriktion speziell für Typ-2-Diabetiker nahelegt.

"Eine hohe Natriumzufuhr scheint mit einer erhöhten Inzidenz von kardiovaskulären Spätfolgen einherzugehen", berichten die Studienautoren um Chika Horiakwa von der Universität Niigata in Japan (J Clin Endocrin & Metabol 2014, online 22. Juli).

1588 Typ-2-Diabetiker im Alter von 40 bis 70 Jahre waren per Food Frequency Questionnaire zu ihrer Ernährung befragt worden. Die mittlere tägliche Natriumzufuhr war dabei mit 4,2 g viel zu hoch. So empfiehlt etwa die European Association for the Study of Diabetes (EASD) 2,36 g Natrium täglich (6 g Kochsalz) als Obergrenze.

Binnen acht Jahren hatten 132 Patienten eine Angina pectoris, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall. Nach Abgleich anderer Risikofaktoren wie Alter, BMI, Blutzucker, Blutfette sowie Rauch- und Trinkgewohnheiten hatten Patienten in der Quartile mit dem höchsten Natriumkonsum - im Mittel 5,9 g pro Tag - ein doppelt so hohes Risiko für eine solche Komplikation wie Patienten aus der untersten Quartile mit einer mittleren Natriumzufuhr von 2,8 g (11,4 Prozent vs. 7,1 Prozent).

Mit jedem Gramm Natrium zusätzlich pro Tag erhöhte sich bei den Diabetikern das Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis um 20 Prozent.

Diese Assoziation blieb auch dann weitgehend unverändert, wenn der systolische Blutdruck und die Anwendung von Antihypertensiva berücksichtigt wurden. Im Gegensatz dazu war kein Zusammenhang zu erkennen zwischen Natriumaufnahme und Nephropathie, diabetischer Retinopathie oder Mortalität.

Die Wirkung von Natrium auf das Herz-Kreislauf-Risiko war bei hohen HbA1c-Werten besonders deutlich: Patienten mit einem Wert von mindestens 9,0 Prozent, deren tägliche Nahrung 5,9 g Natrium enthielt, hatten ein fast zehnmal so hohes Risiko für eine makrovaskuläre Komplikation wie Patienten, die bei gleich hohem HbA1c nur 2,8 g Natrium täglich zu sich nahmen.

Bei den Patienten mit einem HbA1c-Wert unter 9,0 Prozent war das kardiovaskuläre Risiko dagegen auch in der höchsten Natrium-Quartile nicht signifikant höher als in der niedrigsten. Die Studienautoren vermuten daher einen synergistischen Effekt von schlechter Blutzuckerkontrolle und hohem Salzkonsum.

"Eine langfristige Beschränkung der diätetischen Natriumzufuhr könnte daher für Patienten mit schlecht kontrolliertem Blutzucker besonders wichtig sein", schreiben die Forscher. (BS)

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