Ärzte Zeitung, 13.05.2015

Typ-1-Diabetes

Besser sehen dank früher intensiver Therapie

Auch 23 Jahre nach dem Ende der groß angelegten DCCT-Studie mit Typ-1-Diabetikern zahlt sich die intensive Insulintherapie noch aus. Das zeigt eine Analyse der Diabetes-Komplikationen an den Augen.

Von Robert Bublak

Besser sehen dank früher intensiver Therapie

Augenuntersuchung: Diabetes-Komplikationen sind weiterhin die häufigste Ursache für Erblindung.

© Prof. Krzizok und Kollegen

BOSTON. Wie häufig sind Augenoperationen aufgrund von Diabeteskomplikationen? Lässt sich der Schutzeffekt einer frühen intensivierten Insulin-Therapie nach Jahrzehnten noch belegen? Um diese Fragen zu klären, wurden Daten von Patienten des Diabetes Control and Complications Trial (DCCT) analysiert (NEJM 2015; 372: 1722).

In der Studie war von 1983 bis 1989 bei 1441 Typ-1-Diabetikern mit kurzer Erkrankungsdauer eine intensivierte Insulin-Therapie mit einer konventionellen Therapie verglichen worden. Die Teilnehmer werden seit 1994 in der EDIC-Studie (Epidemiology of Diabetes Interventions and Complications) nachverfolgt.

Weniger Augen-Op nötig

Das Ergebnis der Analyse: Bis 2010 benötigten 63 (8,9 Prozent) von 711 Patienten mit intensivierter Therapie eine Augenoperation, von 730 Patienten mit konventioneller Therapie waren es 98 (13,4 Prozent).

Nach Abgleich von Störfaktoren wurde durch frühe intensive Therapie das Risiko für Augenoperationen im Vergleich um 48 Prozent gesenkt, berichtet die DCCT-Forschergruppe in den USA.

Bei den Eingriffen handelte es sich vor allem um Kataraktextraktionen (42 Patienten der Intensivgruppe, 61 in der konventionellen Gruppe). Die Risikominderung durch die intensivierte Therapie schlug hier mit 48 Prozent zu Buche.

Hinter den Katarakt-Ops. rangierten Vitrektomien, die Versorgung von Netzhautablösungen oder die Kombination von beidem. Die frühe intensive Therapie senkte das Risiko um 45 Prozent. Insgesamt lagen die Kosten für Augenoperationen in der Intensivgruppe um 32 Prozent niedriger.

In der ursprünglichen DCCT-Studie war eine möglichst normnahe Blutzuckereinstellung das Ziel der intensivierten Therapie. Die Patienten injizierten mindestens dreimal täglich Insulin oder wurden mit einer Insulinpumpe versorgt.

Die Dosis wurde je nach Ergebnis der Blutzucker-Selbstkontrolle angepasst.

Patienten der konventionell behandelten Gruppe spritzten damals ein- oder zweimal am Tag Insulin mit einem Mix aus verzögert und schnell wirkenden Insulinen. Eine tägliche Anpassung der Dosis war nicht üblich. Das Ziel lautete hier, Symptome der Hyper- und Hypoglykämie zu verhindern.

Durchgängiger Vorteil für Intensivtherapie

Ein spezielles Ziel für die Blutglukose-Konzentration war nicht vorgegeben. Nach Abschluss der sechseinhalbjährigen Studienphase begann die Nachbeobachtung. Alle Patienten wurden an ihre ursprünglichen Versorger zurückverwiesen, die konventionell behandelten Patienten zudem in die Intensivtherapie eingewiesen.

In der Studie zeigte sich ein durchgängiger Vorteil für die intensiv therapierten Typ-1-Diabetiker hinsichtlich mikro- und makrovaskulären Komplikationen - und dies, obwohl sich im Lauf der Zeit die Glykämieparameter in beiden Gruppen anglichen.

Die Analyse der Augenkomplikationen in den 23 Jahren nach Studienende bestätigt dies. Sie zeigt, dass der Schutz durch die intensivierte Therapie nahezu ausschließlich mit den in dieser Gruppe im Durchschnitt niedrigeren HbA1c-Werten während der Studie korreliert.

Folgerichtig verschwindet die Risikoreduktion, wenn man die Kalkulation nach den HbA1c-Werten im Studienzeitraum abgleicht. Umgekehrt bedeutet jede Erhöhung des HbA1c-Werts während der Studie um 10 Prozent eine Steigerung des Risikos für spätere Augenoperationen um das 1,88-fache.

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