Ärzte Zeitung, 25.06.2015

Sulfonylharnstoffe

Zweifel am kardiovaskulären Risiko

In einer aktuellen Meta-Analyse ergab sich kein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko durch Sulfonylharnstoffe.

BOSTON. Wenn ein Typ-2-Diabetiker außer Metformin ein weiteres Antidiabetikum benötigt, sind Sulfonylharnstoffe (SU) eine sehr preisgünstige Option. Bekannte Nachteile, etwa gegenüber DPP-4-Hemmer oder SGLT-2-Inhibitoren, sind das Hypoglykämie-Risiko sowie Gewichtszunahme.

Seit einiger Zeit wird darüber hinaus diskutiert, ob die antidiabetischen Evergreens das kardiovaskuläre Risiko erhöhen. Eine Reihe von Meta-Analysen haben hierzu widersprüchliche Ergebnisse geliefert.

Vor zwei Jahren hatten deutsche Diabetologen um die Professoren Thomas Forst und Markolf Hanefeld eine Meta-Analyse von 20 Kohorten- und Beobachtungsstudien mit mehreren 100.000 Patienten publiziert (Diab Vasc Dis Res. 2013; 10: 302).

Die Autoren fanden - allerdings bei sehr heterogenen Patientenkollektiven - nahezu eine Verdopplung der Gesamtmortalität von Patienten, die SU einnahmen.

Glipizid mit höherem Sterberisiko

Brasilianische Forscher um Dr. Dimitris Rados vom Hospital de Clinic in Porto Alegre stellten beim Jahreskongress der American Diabetes Association 2015 in Boston nun eine neue Meta-Analyse vor, die mit 47 Studien und zusammen 37.650 Patienten zwar eine kleinere Datenbasis aufweist als die deutsche Meta-Analyse.

Dafür hatten die Brasilianer ausschließlich randomisierte und kontrollierte Studien analysiert und damit nicht nur einen komplett anderen Datensatz, sondern auch höherwertige Studien.

Sie fanden keine signifikante Risikoerhöhung für die Gesamtmortalität (OR: 1,12) sowie für die kardiovaskuläre Mortalität (OR: 1,12), für den Herzinfarkt oder für den Schlaganfall.

Nach ihrer Einschätzung ist die Evidenz bezüglich der Mortalität sehr gut und bezüglich Herzinfarkt und Schlaganfall moderat.

Bei der Analyse einzelner SU fanden sie, dass nur das in Deutschland nicht verbreitete Glipizid mit einem erhöhten Sterberisiko verbunden war. Solche Subgruppen-Analysen seien jedoch mit Vorsicht zu betrachten.

Ähnliche Befunde haben Autoren von einer Post-hoc-Analyse der SAVOR TIMI 53-Studie berichtet, in der die Sicherheit des DPP-4-Hemmers Saxagliptin im Vergleich zu anderen Antidiabetika untersucht und bestätigt worden war.

Die Forscher hatten zudem überprüft, ob die Studienpatienten, die mit SU behandelt wurden, mehr kardiovaskuläre Ereignisse erlitten als Patienten ohne SU. Dies war nicht der Fall.

Unter Insulin-pflichtigen Diabetikern hatte eine Therapie mit SU sogar einen deutlichen Schutzeffekt vor Krankenhauseinweisungen wegen instabiler Angina pectoris (0,3 vs. 1,6 Prozent). (DE)

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