Diabetes

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Modul: Strategien zur Gewichtsreduktion bei Typ-2-Diabetes

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Ärzte Zeitung, 01.09.2015

Komplikationen bei Diabetes

Mädchen haben öfter Ketoazidosen

Wenn der Körper kein Insulin mehr produziert, muss das Hormon in genauer Dosierung verabreicht werden. Sonst besteht die Gefahr einer Diabetischen Ketoazidose. Besonders Kinder und Jugendlicher sind gefährdet - und vor allem Mädchen.

Mädchen haben öfter Ketoazidosen

Insulin-Injektion: Einige Mädchen neigen dazu, zu niedrig zu dosieren, um Gewicht zu verlieren.

© Monkey Business / fotolia.com

ULM. Zuckerkrankheit klingt eigentlich viel zu harmlos. Besonders bei Kindern und Jugendlichen ist das tägliche Diabetes-Management eine große Herausforderung, erinnert die Universität Ulm in einer Mitteilung. Junge Menschen mit Typ-1-Diabetes haben dabei ein hohes Risiko für Diabetische Ketoazidosen (DKA).

Bei DKA kommt es aufgrund des Insulinmangels zur gesteigerten Fett- und Proteinverbrennung mit massiver Übersäuerung des Blutes durch Acetessigsäure und ß-Hydroxybuttersäure. Es bilden sich saure Ketonkörper, die nicht nur den Energiestoffwechsel beeinträchtigen, sondern auch den Gasaustausch im Blut stören.

"Die Folgen können gravierend sein bis hin zu Bewusstlosigkeit und im schlimmsten Falle sogar zum Tod", wird Professor Reinhard Holl, Leiter des Zentralinstituts für Biomedizinische Technik (ZIBMT) an der Universität, in der Mitteilung zitiert.

Daten-Analyse bei 50.000 Patienten

Weil genaue Zahlen zu DKA bisher fehlten, haben der Forscher und sein Team gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Großbritannien, Österreich und den USA die Inzidenz von DKA bei Kindern und Jugendlichen untersucht (Diabetes Care. 2015; online 17. August). Analysiert wurden dazu Patientendaten von gut 50.000 Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes aus mehreren Ländern.

Für die biometrische Analyse wurde auf umfangreiche Diabetesregister mit anonymisierten Patientendaten für Deutschland und Österreich, England und Wales sowie die USA zurückgegriffen.

Das Ergebnis: Fünf bis sieben Prozent der jungen Patienten mit einer Krankheitsdauer von über einem Jahr waren betroffen. "Die hohen Zahlen haben uns überrascht", so der Facharzt für Kinder-Diabetologie und -Endokrinologie. Denn Blutzuckermessgeräte und Insulinpumpen oder -injektoren arbeiten heute so genau, dass von der medizinischen Versorgungstechnik her eine optimale Therapie eigentlich gewährleistet sein müsste.

Die DKA-Rate war bei Mädchen um 23 Prozent höher als bei Jungen mit Diabetes. Vor allem Teenager-Mädchen spritzen absichtlich kein Insulin, um über die dadurch verstärkte Fettverbrennung Gewicht zu verlieren, vermuten die Forscher. "Wie gesundheitsschädlich, ja sogar lebensgefährlich der Verzicht auf eine angemessene Insulin-Therapie sein kann, wissen die wenigsten", warnt Holl in der Mitteilung.

Auch Migranten haben hohes Risiko

Gehörten die jungen Diabetiker ethnischen Minderheiten an (wie in England, Wales oder in den USA), oder hatten sie einen Migrationshintergrund (wie in Deutschland oder Österreich), war ihr Risiko sogar um 27 Prozent höher im Vergleich zu zuckerkranken Kindern und Jugendlichen aus Mehrheitsgesellschaften.

"Diese Studie gehört zu den größten multinationalen Untersuchungen in der Diabetes-Forschung und verschafft uns viele statistisch belastbare Ergebnisse, die letztendlich wertvolle Hinweise liefern können, um Therapien für Betroffene zu optimieren", sagt Professor David M. Maahs vom Barbara Davis Center for Childhood Diabetes in Aurora (US-Staat Colorado). Der Erstautor der Studie fordert verbesserte Informations- und Betreuungsprogramme, die Familien Betroffener enger als bisher mit einbeziehen.

Prävention für Risikogruppen

Laut Holl spielt auch das jeweilige Gesundheitssystem eine wichtige Rolle. Dabei geht es um die Zugangswege zu diabetologischer Versorgung, um 24-Stunden-Notfall-Hotlines und schnell erreichbare Notfallzentren. Für die Zukunft erhoffen sich die Wissenschaftler weitere Erkenntnisse zum psychologischen und sozialen Hintergrund der Hoch-Risikogruppen, um Präventionsprogramme genauer als bisher anpassen zu können. (eb)

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