Ärzte Zeitung, 25.05.2016

Metabolisches Syndrom

Diabetes treibt geistigen Abbau

Ein metabolisches Syndrom geht im Alter gehäuft mit kognitiven Problemen und Demenz einher. Offenbar treibt dabei vor allem Typ-2-Diabetes den geistigen Abbau.

Von Thomas Müller

Diabetes treibt geistigen Abbau

Metabolisches Syndrom mit Adipositas, Hypertonie und Diabetes fördert Demenzen.

© Sheila Eames / fotolia.com

SINGAPUR. Hypertonie, Diabetes und viel Bauchfett begünstigen bekanntlich die Entwicklung einer Demenz. Wie sehr einzelne kardiometabolische Parameter den geistigen Abbau wirklich beschleunigen, wird diskutiert. Einen Baustein in diesem Puzzle liefern nun Dr. Tze Pin Ng und Kollegen von der Universität Singapur.

Anhand einer Longitudinalstudie wollen sie herausgefunden haben, dass es vor allem ein Diabetes ist, der den kognitiven Abbau bei Menschen mit hohen kardiovaskulären Risiken und metabolischem Syndrom vorantreibt (JAMA Neurol 2016; online 29. Februar).

Als Teilnehmer der Studie waren von 2003 bis 2004 über 2600 Chinesen im mittleren Alter von 65 Jahren gewonnen worden; zwei Drittel waren Frauen.

Die Teilnehmer wurden für maximal zehn Jahre alle drei Jahre für die Singapore Longitudinal Ageing Study (SLAS) untersucht. Außer Parametern wie Blutdruck, Blutfett, Blutzucker und Bauchumfang bestimmten die Forscher auch alle drei Jahre über eine neuropsychologische Testbatterie die kognitive Leistung.

Zum Studienbeginn hatten bereits 506 Personen ein "Mild Cognitive Impairment" (MCI) und 53 eine Demenz.

300 Studienteilnehmer unauffindbar

Nach einer medianen Beobachtungsdauer von knapp vier Jahren waren 227 Personen gestorben und 300 unauffindbar. Von den übrigen waren zum Studienbeginn rund 1500 kognitiv gesund.

Etwas mehr als jeder Fünfte von ihnen (22 Prozent) hatte zu diesem Zeitpunkt bereits ein metabolisches Syndrom (Bauchumfang Männer über 90 cm, Frauen über 80 cm plus mindestens zwei kardiometabolische Risikofaktoren wie erhöhte Triglyzerid-, Blutzucker- oder Blutdruckwerte, niedrige HDL-Konzentration, Typ-2-Diabetes).

Von den 340 Teilnehmern mit metabolischem Syndrom zu Studienbeginn entwickelten 46 erstmals ein MCI (13,5 Prozent), von den knapp 1180 Personen ohne metabolisches Syndrom waren es 95 (8,1 Prozent).

Unter Berücksichtigung von Alter und Begleitfaktoren wie Rauchen, Bildung, körperliche und soziale Aktivität lag die MCI-Inzidenz bei den Teilnehmern mit metabolischem Syndrom um knapp die Hälfte (46 Prozent) höher als bei denen ohne. Bei der Demenzinzidenz gab es hingegen keine Unterschiede.

Bei der Analyse einzelner kardiometabolischer Risikofaktoren stach besonders das MCI-Risiko bei den Diabetikern hervor.

Bei ihnen wurden pro 1000 Personenjahre 55 MCI-Fälle beobachtet, bei den Nichtdiabetikern 23. Damit war die MCI-Inzidenz bei den Diabetikern nach Adjustierung für Begleitfaktoren knapp dreifach höher als bei Teilnehmern ohne Typ-2-Diabetes.

Erhöhter Bauchumfang und Dyslipidämie gingen mit einer rund 50 Prozent höheren Inzidenz einher, für Hypertonie gab es keinen signifikanten Zusammenhang.

[25.05.2016, 14:33:04]
Dr. Karl-Otmar Stenger 
MetS und Harnsäure
In der Erstbeschreibung des Metabolischen Syndroms (MetS) durch den Schweden Eskil Kylin vor 100 Jahren fand die Harnsäure noch Berücksichtigung. Später fiel sie in den international anerkannten Definitionen unter den Tisch, was wohl langsam bereut wird. Für die Chinesen mag das von größerer Bedeutung sein, als für uns "Kaukasier"; denn traditionell ernähren sie sich purinreich. So lässt sich auch wohl der rasante Anstieg der Chinesen in der Rangfolge der übergewichtigen Etnien erklären.
Der Zusammenhang zwischen kognitiver Potenz und Höhe des Harnsäurespiegels wurde immer wieder diakutiert. Früher meinte man, Genie und Gicht seien assoziiert. Galileo Galilei, Isaac Newton, Benjamin Franclin etc. wurden als Zeugen für diese Hypothese bemüht, was wohl eher damit etwas zu tun hat, dass sie das konsumieren konnten, was für die Armen nicht erschwinglich war. Jüngere Untersuchungen z. B. an Studenten hatten das Gegenteil zum Ergebnis.
Fazit: Bei der Bewertung des Zusammenhangs MetS und kognitive Potenz sollte auch die Harnsäure als integraler Parameter des MetS Berücksichtigung finden. zum Beitrag »

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