Ärzte Zeitung, 03.08.2016

Antikörper-Profile

Erfolg bei Forschung zu Typ-1-Diabetes

Wann haben Kinder welche Antikörper gegen insulinproduzierende Betazellen? Die Antwort auf diese Frage kann Hinweise darauf geben, wie schnell Kinder an Typ-1-Diabetes erkranken.

Erfolg bei Forschung zu Typ-1-Diabetes

Typ-1-Diabetes wird häufiger: Meist entsteht die Krankheit bereits in der Kindheit.

© rkris / fotolia.com

NEUHERBERG, Die Frühstadien des Typ-1-Diabetes lassen sich mittlerweile durch Tests auf Antikörper gegen insulinproduzierende Betazellen bei betroffenen Kindern bereits vor dem Auftreten erster Krankheitssymptome nachweisen.

 Forscher des Helmholtz Zentrums München und des Paul Langerhans Institutes Dresden, beides Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung, berichten nun, dass man durch bioinformatische Modelle bessere Prognosen hinsichtlich des Verlaufs der Frühstadien bis zur klinisch symptomatischen Erkrankung findet (Diabetologia 2016, online 11. Juli).

Typ-1-Diabetes immer öfter in Kindheit ausgelöst

Bei Typ-1-Diabetes handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, die auch in Deutschland immer häufiger auftritt – jährlich kommen über 2000 neue Patienten dazu. Im Verlauf der Krankheitsentstehung entwickeln Patienten Antikörper gegen die insulinproduzierenden Betazellen ihrer eigenen Bauchspeicheldrüse. Das ereignet sich in den meisten Fällen schon in den ersten Lebensjahren.

Deshalb haben Wissenschaftler vom Institut für Diabetesforschung (IDF) am Helmholtz Zentrum München einen Test entwickelt, mit dem bereits aus einem Tropfen Blut nachgewiesen werden kann, ob entsprechende Antikörper vorhanden sind, die ein Frühstadium der Erkrankung kennzeichnen.

Nach den aktuellen Zahlen der Fr1da-Studie haben etwa vier von tausend Kindern im Alter von zwei bis fünf Jahren in Bayern solche Antikörper gegen die insulinproduzierenden Betazellen ihrer eigenen Bauchspeicheldrüse, teilt das Helmholtz Zentrum München zur Veröffentlichung der Studie mit.

Kinder haben verschiedene Antikörper im Blut

"Zusätzlich kompliziert wird die Diagnose allerdings dadurch, dass es sich insgesamt um vier verschiedene Antikörper handelt", wird Privatdozent Dr. Peter Achenbach zitiert, der stellvertretende Leiter des Instituts für Diabetesforschung (IDF) am Helmholtz Zentrum München.

Achenbach sagt: "Darüber hinaus sind nicht alle Antikörpertypen in der Phase der Krankheitsentwicklung permanent vertreten, sondern die einzelnen Antikörper verhalten sich dynamisch – sprich sie können auch kommen und gehen."

In der aktuellen Studie wollten die Wissenschaftler genau dieses komplexe Verhalten untersuchen und herausfinden, ob sich aus den jeweiligen Antikörperverläufen möglicherweise präzisere Aussagen herausfiltern lassen als bisher.

Für ihre Analysen kooperierten die Forscher eng mit den Modellierungs-Experten der Abteilung Scientific Computing (ASC) um deren Leiter Privatdozent Dr. Wolfgang zu Castell.

"Unser neuer Ansatz, Muster im Zeitverlauf zu analysieren, erlaubt es, nicht nur festzustellen, ob die Antikörper da sind oder nicht, sondern auch, Verläufe verschiedener Antikörper zu beobachten und Kinder mit ähnlichen Profilen zu gruppieren und das dann mit der Krankheitsentstehung in Beziehung zu setzen", so Erstautor Dr. David Endesfelder von der Abteilung Scientific Computing (ASC) in der Mitteilung.

88 Kinder mit Diabetes analysiert

Die Forscher verglichen die Profile von 88 Kindern mit einem Frühstadium des Typ-1-Diabetes hinsichtlich der (Auto-)Antikörper IAA, GADA, IA-2A und ZnT8A. Der Beobachtungszeitraum betrug 20 Jahre.

Innerhalb dieser Zeit identifizierten die Forscher neun verschiedene Cluster, die jeweils für unterschiedliche Antikörperverläufe standen und mit verschieden schneller Entwicklung der klinischen Erkrankung verknüpft waren.

Durch die neuen Analysemethoden hätten die Forscher zum Beispiel beschreiben können, dass bei einigen Kindern, die aufgrund ihres Antikörperprofils bisher zur Hochrisikogruppe für eine schnelle Krankheitsentwicklung gezählt wurden, erst mit deutlicher Verzögerung ein klinisch symptomatischer Diabetes auftrat, meldet das Helmholtz Zentrum München.

"Das war sehr überraschend und zeigt uns, dass wir mit dem neuen Ansatz nicht nur Einsen und Nullen, also Antikörper vorhanden oder nicht vorhanden, unterscheiden, sondern dass wir beginnen, die verschiedenen Facetten der Entstehung von Typ-1-Diabetes auch im Detail immer besser zu verstehen", wird Studienleiter PD Dr. Peter Achenbach zitiert, stellvertretender Leiter des Instituts für Diabetesforschung (IDF)am Helmholtz Zentrum München.

Die Analysen sollen künftig vertieft werden, um präzisere Aussagen zum Krankheitsverlauf, den zugrunde liegenden Faktoren und Mechanismen, aber auch zu möglichen Therapieaussichten wie durch die vom IDF durchgeführte Insulinschluckimpfung für kleine Risikopatiententreffen zu können. (mal)

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